Die Linke Neukölln fordert gleiche Rechte für alle. Wie friedlich wäre unser Zusammenleben jedoch, wenn jeder den anderen erlaubte, was er sich selbst herausnimmt.
Die Linke Neukölln ruft für den 16. Oktober zur Kundgebung auf. „Gleiche Rechte für Alle – Überall!“ Eine prächtige Forderung. Von Imanoglu Kantoglu hat diese Linke offenbar noch nie etwas gehört. Der weise Islamgelehrte Imanoglu Kantoglu aus Königsberg hinterließ 1785 einen Gedanken, der seinen heutigen Nachfahren nicht recht passen will. Eigentlich gar nicht.
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Immanuel Kant lässt grüßen. Für den Hausgebrauch: Was du dir erlaubst, musst du auch anderen erlauben. Selbst dem Nachbarn, der mit einer runden Kopfbedeckung ohne Polizeischutz durch Berlin spazieren will, dem friedlichsten Städtchen seit 1925 überhaupt.
Wäre der Kantoglousche Imperativ längst Gesetz, gälte er für alle:
- Meinungsfreiheit: Du widersprichst? Ich informiere als Hinweisgeber deinen Arbeitgeber.
- Toleranz: Nebenan lebt jemand anders. Beschwerdeformular. Online.
- Demonstrationen: Unsere sind Demokratie. Eure eine Zumutung.
- Kunstfreiheit: Die Satire war köstlich. Bis ich selbst darin vorkam.
- Datenschutz: Meine Adresse ist privat. Deine gehört veröffentlicht.
- Selbstbestimmung: Für dein Leben habe ich Vorschläge. Verbindliche.
- Kleidung: Ich trage, was ich will. Meine Tochter auch, was ich will.
- Rücksicht: Mein Fest belebt das Viertel. Deins stört.
- Gleichberechtigung: Meine Frau darf widersprechen. Innerlich.
- Respekt: Meine Überzeugung ist unantastbar. Deine nehmen wir auseinander.
- Erziehung: Meine Kinder gehen dich nichts an. Deine kläre ich auf.
- Hausrecht: Bei mir gelten meine Regeln. Bei dir auch.
- Mehrheit: Gewinnen wir, spricht das Volk. Sonst war es schlecht informiert.
- Nachsicht: Mein Ausrutscher ist menschlich. Deiner offenbart deinen Charakter.
- Frieden: Sobald alle gehorchen, ist Ruhe.
Alle sollen dürfen, was ich darf. Aber bitte nicht bei mir.
Die eigene Vorschrift käme zurück und packte einen an der eigenen Nase. Ohne anzuklopfen, Bruda.
Wie friedlich könnte es im Städtchen Berlin-Neukölln zugehen, da man aufruft, neue Fürsten aufs Schild zu heben, wäre Kantoglus Imperativ längst Gesetz. Gar mancher Fürst stiege freiwillig wieder vom Schild. Wie viel leichter wäre das Zusammenleben.
Der aktuelle Kundgebungsaufruf und die zitierte Forderung stehen auf der Website der Linken Neukölln.








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