Papst Leo XIV warnt vor der Macht künstlicher Intelligenz. Bei der Vorstellung seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ am 25. Mai saß ausgerechnet ein Mann aus der KI-Branche mit am Tisch: Christopher Olah, Mitgründer von Anthropic. Nun greift Tech-Investor Peter Thiel den Papst wegen dessen Haltung an. Er wirft ihm vor, Ängste vor KI für seine eigene Popularität auszunutzen.
Leo erklärte bei der Vorstellung im Vatikan, künstliche Intelligenz müsse „entwaffnet“ werden. Gemeint war kein Verbot der Technik, sondern ihre Befreiung von einer Logik der Herrschaft, Ausgrenzung und des Todes. Der Papst verwies auf autonome Waffen und Algorithmen, die über Zugang zu Arbeit, medizinischer Versorgung oder Sicherheit mitentscheiden. Er dankte Olah ausdrücklich dafür, die Einladung angenommen zu haben.
In der Enzyklika beschreibt Leo KI als nützliches Werkzeug, das den Menschen nicht ersetzen dürfe. Selbst ihre Entwickler verstünden die inneren Abläufe der Systeme nur begrenzt. Zugleich kritisiert er die Macht weniger großer Unternehmen, die Daten, Rechenleistung und digitale Zugänge kontrollieren. Über solche Systeme dürfe nicht ein kleiner Kreis allein bestimmen.
Olah sprach beim Termin nicht als unabhängiger Beobachter. In seiner veröffentlichten Rede räumte er ein, dass auch Anthropic unter kommerziellem und geopolitischem Druck stehe. Deshalb brauche die Branche Kritiker von außen. Olah warnte vor massiven Arbeitsplatzverlusten und sagte, manche Vorgänge in KI-Modellen seien selbst für Forscher rätselhaft. Anthropic entwickelt den Chatbot Claude. F-NEWS berichtete bereits über einen Anthropic-Forscher, der vor den Risiken der Technik warnte.
Peter Thiel sieht die Sache anders. Laut einem Bericht von Politico über Aufnahmen seiner Vorträge in Nashville warf er Leo und Ex-Präsident Barack Obama vor, die Unbeliebtheit von KI politisch auszunutzen. Den Papst beschuldigte Thiel sogar, mit dem KI-Thema von den Missbrauchsskandalen der Kirche abzulenken. Das ist Thiels Vorwurf, kein belegtes Motiv des Papstes.
Thiel verbindet den Ruf nach weltweiten KI-Regeln in seinen Vorträgen mit der Angst vor einer zentralisierten Weltregierung und dem biblischen Antichristen. Über Thiels frühere Antichrist-Thesen hat F-NEWS bereits berichtet. Leo wiederum warnt gerade vor der Macht privater Technologiekonzerne. Dass ein Anthropic-Mitgründer beim Papst auftrat, macht den Konflikt greifbar: Die Firmen wollen bei der Debatte über Kontrolle selbst mitreden, während Thiel schon die Forderung nach Kontrolle bekämpft.








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