Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat am Dienstagabend, dem 3. November 2026, beim Hauptstadtempfang der Bundesbank in Berlin unmissverständlich klargemacht, wohin die Reise geht. „Eine Zinserhöhung im Dezember ist aus heutiger Sicht jedoch sehr wahrscheinlich notwendig“, heißt es in seinem Redetext. Und weiter: „Aus heutiger Sicht dürfte allerdings kaum ein Weg an einer Zinserhöhung vorbeiführen, wenn sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessert.“
Beschlossen ist damit noch nichts. Nagel ist eine von 27 Stimmen im EZB-Rat, entscheiden wird das Gremium auf seiner nächsten geldpolitischen Sitzung am 17. Dezember. Dann liegen neue Projektionen der Eurosystem-Fachleute vor, die erstmals bis 2029 reichen. Doch Nagel steht mit seiner Einschätzung nicht allein: Am selben Tag erklärte auch der bulgarische Notenbankchef Dimitar Radev in Sofia, die Pause im Oktober sei keine Entscheidung gewesen, dass die Straffung vorbei sei.
Der Hintergrund sind die Preise. Im September lag die Inflation im Euroraum bei 3,8 Prozent, dem höchsten Wert seit drei Jahren. In Deutschland waren es 3,3 Prozent, laut Schnellschätzung im Oktober 2,8 Prozent. Getrieben wird die Teuerung vor allem von den Energiepreisen infolge der Konflikte im Nahen Osten. Die EZB hat ihre Leitzinsen deshalb in diesem Jahr bereits zweimal angehoben und den Einlagenzins in der vergangenen Woche bei 2,5 Prozent belassen. Eine Erhöhung im Dezember wäre der dritte Schritt nach oben in diesem Jahr. Wie hart die bisherigen Zinsschritte Bürger und Betriebe getroffen haben, hat F-News bereits im Juni beschrieben: EZB dreht die Zinsschraube: Bürger und Betriebe zahlen für den Energie-Schock.
Für Sparer klingt das zunächst nach einer guten Nachricht. Steigt der Einlagenzins, können Banken Tages- und Festgeld besser verzinsen. Doch die Rechnung geht nur auf, wenn der Zins die Inflation übersteigt. Bei 3,8 Prozent Teuerung im Euroraum und Einlagenzinsen von 2,5 Prozent verliert Erspartes real weiter an Kaufkraft, auch nach einer weiteren Anhebung.
Für Kreditnehmer wird Geld teurer. Höhere Leitzinsen verteuern variable Kredite, Dispo- und Ratenkredite meist schnell. Auch Baufinanzierungen reagieren, wenn die Märkte steigende Zinsen einpreisen. Wer eine Anschlussfinanzierung braucht oder kaufen will, muss mit höheren Monatsraten rechnen. Für den ohnehin angeschlagenen Immobilienmarkt bedeutet das weniger Nachfrage und weniger Neubau, während die Mieten durch knappen Wohnraum unter Druck bleiben.
Und Bitcoin? Kryptowährungen gelten als besonders zinsempfindlich, weil sie keine laufenden Erträge abwerfen und mit sicheren Zinsanlagen um das Geld der Anleger konkurrieren. Am Mittwochmittag notierte Bitcoin bei rund 69.900 Euro beziehungsweise 78.500 Dollar. Bereits Ende Oktober hatte die US-Notenbank mit einer Zinserhöhung gedroht, und Bitcoin kämpfte um die 80.000-Dollar-Marke, wie unsere Schwesterseite Coinzeitung berichtete: Fed hält still, droht aber mit Zinserhöhung. Zieht nun auch die EZB an, fehlt dem Kryptomarkt von beiden Seiten des Atlantiks billiges Geld.
Bemerkenswert ist Nagels eigenes Eingeständnis. Gegen Energiepreissprünge durch Angebotsschocks könne die Geldpolitik „wenig ausrichten“. Die EZB will also Zinsen erhöhen gegen eine Inflation, deren Ursache sie selbst nicht beeinflussen kann. Die Rechnung dafür zahlen Kreditnehmer, Häuslebauer und Anleger, während die Energie trotzdem teuer bleibt.



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