Kriegsdienstverweigerung ist Bürgerpflicht

Jemandem unter Einsatz des eigenen Lebens oder des Lebens anderer das politische Überleben oder die militärische Karriere zu retten kann niemals zur Pflicht gemacht werden. Sollte dies vom Einzelnen verlangt werden, ist es daher angesichts der Zerstörungen und des Leids im Gefolge eines jeden Krieges erste Bürgerpflicht, diesen Kriegsdienst zu verweigern.

Dr. Josef Thoma

Und die Pointe, ebenfalls von Thoma: „Die Zeche für die da oben zahlen immer die da unten …“

Der Kommentar stammt aus der Reihe „Von und mit Dr. Josef Thoma“. Thoma nimmt das Motto „Kriegsdienstverweigerung ist Bürgerpflicht“ wörtlich und verlangt: Weil es um Leben und Tod gehe, müsse jeder – Frau wie Mann, Soldat wie Zivilist – die Forderung selbst begründen.

Thoma unterscheidet Wehrdienst und Kriegsdienst. Eine rein individuelle Pflicht, sich zu wehren, gebe es nicht. Herrschaft funktioniere, indem „die da oben“ denen da unten einredeten, ihr Wohl hänge am Wohl der Eliten. Ehrlicher wäre laut Thoma eine allgemeine Pflicht zu einem sozialen Jahr – auch bei den Streitkräften ableistbar –, statt einer „gottgegebenen“ Hierarchie.

Kriegsdienst sei „eine ganz andere Hausnummer“: Töten und Getötetwerden auf Befehl. Dafür müssten die Gründe „extrem schwerwiegend“ und das Vertrauen in die Führung „beinahe grenzenlos“ sein. Thoma fragt, ob man Führern wie Macron, Burnham, von der Leyen, Rutte oder Merz – und der Kriegsrhetorik um Kiesewetter und Strack-Zimmermann – Leib und Leben anvertrauen wolle; Soldaten zahlten für solche Zweifel oft mit der Karriere.

Seine Moral: Niemandem dürfe unter Einsatz des eigenen oder fremden Lebens das politische Überleben oder die militärische Karriere zur Pflicht gemacht werden. Den Schluss bildet ein Spottgedicht aus Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“ über Stabsoffiziere mit Kaviar, während andere den Heldentod sterben.

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