Syriens neue Machthaber schreiben die Schulbücher um. Die Mona Lisa ist aus dem Geschichtsbuch der siebten Klasse verschwunden. Antike Statuen syrischer Kulturen fehlen im Sozialkundebuch der dritten Klasse. Das hat die Nachrichtenagentur AFP anhand der offiziellen digitalen Ausgaben bestätigt.
Im Islamkundebuch der vierten Klasse wurde ein Bild von Männern und Frauen in westlicher Kleidung ersetzt. Jetzt zeigt es zwei Männer in traditionellen Gewändern und getrennt davon zwei Frauen im Niqab. Gezeichnete Mädchen vor einem Computer tragen nun Kopftuch. Eine altägyptische Büste bekam ein Hemd. Fotos von Tänzern wurden aus einem Buch der sechsten Klasse entfernt.
Die Eingriffe gehen über Bilder hinaus. Aus dem Sozialkundebuch der sechsten Klasse wurden Lektionen über politisches Leben, Staatsbürgerkunde, Medien und demokratische Teilhabe gestrichen. Die syrische Faktencheck-Organisation Ta’akkad hat die Änderungen an gedruckten und digitalen Ausgaben überprüft und bestätigt.
Grundlage der Enthüllung ist eine Studie des israelischen Instituts Impact-se vom 19. Oktober 2026. Es hat 130 Schulbücher der Klassen 1 bis 12 mit den Ausgaben aus der Assad-Zeit verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig. Der Lehrplan definiere die syrische Identität über ein sunnitisch-islamistisches Weltbild. Minderheiten würden an den Rand gedrängt. Frauen erschienen vor allem als Ehefrauen und Mütter, die ihren Männern zu gehorchen hätten. Eine Lektion über islamische Kleidung empfehle nun die Vollverschleierung.
Der syrische Journalist Mohammad Salloum machte die Änderungen am 24. Oktober mit Vergleichsbildern öffentlich. Das Bildungsministerium in Damaskus reagierte am 26. Oktober. Man habe lediglich Symbole des gestürzten Regimes und dessen ideologische Inhalte entfernt. Neue Änderungen für das laufende Schuljahr gebe es nicht. Konkrete Beispiele widerlegte das Ministerium nicht.
Das christliche Hilfswerk CSI, das sich für verfolgte Christen einsetzt, sieht darin einen weiteren Schritt zur Islamischen Republik. Es verweist auf Kleidervorschriften an Stränden, Einschränkungen beim Alkoholverkauf und den Ausschluss von Frauen aus bestimmten Studiengängen. Der armenisch-apostolische Bischof von Damaskus sagte der Tagespost Anfang Oktober: „Syrien ist heute ein islamistischer Staat.“
In Deutschland blieb das Echo leise. Die Agenturmeldung erschien vereinzelt, etwa in der Frankfurter Rundschau unter Panorama. Eine Stellungnahme der Bundesregierung ist nicht bekannt. Dabei wird hierzulande seit Monaten über Rückführungen nach Syrien und Hilfen für den Wiederaufbau gestritten.
Wer verstehen will, wohin Syrien steuert, muss nur in die Schulbücher schauen. Dort wird gerade die nächste Generation geprägt. In Berlin scheint das niemanden zu stören.



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