Neun tote Christen, mehr als 30 Verletzte, erschossen bei einer Beerdigung in ihrer eigenen Kirche: Am Freitag, dem 23. Oktober, eröffneten drei Bewaffnete im Dorf Hammud in der südjordanischen Provinz Karak das Feuer auf die Trauergemeinde der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche. Rund 200 Menschen hatten sich versammelt, um von einer am Vortag verstorbenen Frau Abschied zu nehmen. Augenzeugen berichten, die Täter hätten minutenlang ununterbrochen geschossen und seien dann mit einem Pick-up geflohen. Es ist der schwerste Anschlag auf Jordaniens Christen seit den 1950er-Jahren.
Die Täter sind gefasst. Drei Tage nach dem Massaker stellten Sicherheitskräfte zwei Brüder und ihren Schwager in einem verlassenen Haus im Dorf Al-Dschadida. Die Männer schossen auf die Polizei und wurden nach einem rund dreistündigen Feuergefecht verletzt festgenommen. Die Behörden nennen sie Hazza Zaidan Mohammed, Meshal Zaidan Mohammed und Ahmad Sami Hussein und beschreiben sie als Anhänger einer radikal-islamistischen Ideologie. Am 3. November erhob die Staatsanwaltschaft am Staatssicherheitsgericht Anklage in sieben Punkten nach dem Antiterrorgesetz, darunter neunfacher terroristischer Mord und die Verbreitung der Ideologie einer Terrorgruppe. Darauf steht in Jordanien die Todesstrafe. Jordaniens Luftwaffe hatte bereits am 26. Oktober Stellungen von Dschihadisten im Süden Syriens bombardiert, die mit den Attentätern in Verbindung stehen sollen.
Das Hilfswerk Kirche in Not hat am Mittwoch an das Massaker erinnert. Pater Louis Salman sagte dem Hilfswerk: „Christliche Vergebung bedeutet nicht, dass wir auf unsere Rechte verzichten oder Abstriche bei der Gerechtigkeit hinnehmen. Die Christen fordern, dass die Verantwortlichen uneingeschränkt zur Rechenschaft gezogen werden. Denn das Blut von Christen darf niemals ungestraft vergossen werden.“ Pater Rif’at Bader sprach von einem Angriff „in einem der schmerzlichsten und verletzlichsten Momente für eine Familie“.
In den großen deutschsprachigen Medien hat das Massaker kaum Spuren hinterlassen. Spiegel, ORF, n-tv und der Deutschlandfunk meldeten den Anschlag am 23. Oktober, fast wortgleich auf Basis derselben AFP-Meldung, mit falschen Opferzahlen und Überschriften wie „Mehrere Menschen sterben bei Angriff auf Kirche“. Aus den Tätern wurden „Unbekannte“, aus den ermordeten Christen „Teilnehmer eines Trauerzugs“. Es folgten ein paar Zeilen zur Festnahme und zu den Luftangriffen in Syrien, dann war das Thema erledigt. Die Anklage wegen islamistischen Terrors vom 3. November fand sich bis Mittwochmorgen bei unserer Suche in keinem großen deutschen Medium, während arabische und französische Zeitungen ausführlich berichteten. Keine Sondersendung, keine Talkshow, keine Debatte über den Schutz von Christen im Nahen Osten.
Man stelle sich die umgekehrte Lage vor: Neun Moslems, erschossen bei einer Trauerfeier in einer Moschee, von drei Tätern mit christlich-fundamentalistischem Hintergrund. Die Schlagzeilen wären tagelang gefüllt, Politiker würden Mahnwachen besuchen. Die Toten von Hammud hatten Namen, Maher Zureiqat, Fadi, Khaled und Ihab al-Halsa, Asim al-Burqan, Alaa al-Masarwa, Marwan Khaitan, Mazen und Mohammed al-Qassous. In deutschen Redaktionen blieben sie eine Agenturmeldung vom Freitagabend.



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