In Petropawliwska Borschtschahiwka am Rand von Kiew ist es am Montag zu schweren Ausschreitungen vor einer Unterkunft der ukrainischen Nationalgarde gekommen. Rund 100 Menschen versuchten, das Gebäude zu stürmen; Steine und Feuerwerkskörper flogen, Fahrzeuge wurden beschädigt. Auslöser waren Berichte in sozialen Netzwerken, wonach bewaffnete Kräfte dort mobilisierte Männer und Deserteure festhalten und foltern sollen. Die Polizei wies Geisel- und Todesmeldungen zurück; das staatliche Ermittlungsbüro SBI hat trotzdem ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs durch Militärangehörige eröffnet.
Wie t-online und der Kyiv Independent berichten, nutzte die Nationalgarde das Privathaus aangeblich als Zwischenlager für neu Mobilisierte und Soldaten, die ihre Einheit unerlaubt verlassen hatten. Vier Militärangehörige kamen ins Krankenhaus, ob die Verletzungen von Misshandlungen stammen, sei offen. Nationalgarde-Kommandeur Oleksandr Piwnenko bestritt Folter. Eine Angehörige, die hinein durfte, sagte dem Portal Hromadske, den Männern, die sie gesehen habe, gehe es gut – die Zustände im Haus seien aber schrecklich. Präsidentenbüro-Chef Kyrylo Budanow erschien vor Ort und nannte die Vorgänge inakzeptabel; er sprach von 14 Soldaten im Gebäude. Die Nationalgarde will den Standort räumen.
In den sozialen Medien kursierten schärfere Versionen: eine „Folterkammer“, über 40 Gefangene, sogar ein 14-jähriges Opfer. Offiziell bestätigt sind diese Zahlen bislang noch nicht. Belegt ist der Zusammenstoß, die vier Verletzten, die polizeiliche Zurückweisung von Geisel- und Todesberichten und dass die Behörden selbst den Umgang mit den Soldaten prüfen müssen. Die Spannungen um Zwangsmobilisierung und den Umgang mit Rekruten sind in der Ukraine seit Monaten hoch. Europas Milliarden fließen trotzdem weiter, während der Vertrauensverlust wächst.
AfD-Chefin Alice Weidel verknüpfte den Vorfall mit dem Selenskyj-Besuch in Berlin und forderte die Bundesregierung auf, das Thema anzusprechen:
Ob Berlin die unangenehmen Fragen stellt oder wieder nur Schecks und Bekenntnisse liefert, wird sich beim Treffen mit Merz zeigen. Parallel dazu läuft die SBI-Untersuchung. Bedingungen der Unterbringung, mögliche Nötigung, Ablauf der Ausschreitungen. Wer Folter behauptet und wer sie bestreitet – ohne Beweise bleibt beides Behauptung. Die Bilder aus dem Vorort von Kiew zeigen jedenfalls, wie brüchig der innere Zusammenhalt ist, den Budanow beschwor.



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