Frankreich: Hacker nehmen Kühlräume von Blutbanken ins Visier

In Frankreich haben Hacker in der Nacht vom 1. auf den 2. November 2026 die Kühlräume der staatlichen Blutspendeorganisation Établissement français du sang (EFS) angegriffen. Betroffen waren nach Angaben der EFS „die Anlagen zur Überwachung und Steuerung von Kühlräumen an drei Standorten“. Die Angreifer setzten dabei „Temperatur- und Abtauschwellen auf sehr hohe Temperaturen“, wie die EFS in einer Mitteilung vom 3. November erklärte. In den Kühlräumen lagerten Plasmabeutel für Transfusionen und für die Herstellung von Medikamenten sowie Proben von Spendern.

Der Angriff lief nicht direkt über die EFS, sondern über einen ihrer Dienstleister für Kälteanlagen. Laut der Wochenzeitung Le Canard enchaîné, die den Fall zuerst öffentlich machte, handelt es sich um die Firma Coolworld, die Lagercontainer der EFS unter anderem in der Region Burgund-Franche-Comté wartet. Die Kühlräume, normalerweise auf minus 30 Grad eingestellt, seien auf plus 110 Grad programmiert worden. Den Namen des Dienstleisters hat die EFS offiziell nicht bestätigt. Erreicht wurde die Temperatur nach Angaben der EFS nie.

Dass nichts verdarb, ist einem Techniker im Bereitschaftsdienst zu verdanken. Er habe „in der Nacht von Sonntag auf Montag einen Temperaturanstieg in den Kühlräumen festgestellt“, so die EFS. Die betroffenen Anlagen wurden unter Kontrolle gebracht oder abgeschaltet, die Blutprodukte vorsorglich in andere Kühlräume gebracht. „Es wurden keine gesundheitlichen Auswirkungen festgestellt und es ist kein Verlust von Blutprodukten zu melden“, erklärte die EFS. Das Gesundheitsministerium sprach laut Canard enchaîné von „null operativen Folgen, weil die Lage erkannt wurde“. Die EFS arbeitet mit der nationalen Cybersicherheitsbehörde ANSSI und dem Gesundheitsministerium zusammen und hat die Temperaturüberwachung aller Geräte verstärkt.

Der Angriff fällt in eine Serie. Bereits am 11. und 12. Oktober waren in Hunderten französischen Supermärkten die Kühlungen manipuliert worden. Am 2. und 3. November traf es Märkte in mehreren europäischen Ländern, darunter Belgien, Schweden, Luxemburg, Irland und Estland, F-News berichtete: Hacker legen Supermarkt-Kühlungen in sieben Ländern lahm. In Belgien ermittelt die Föderale Staatsanwaltschaft. Die ANSSI führte die französischen Supermarkt-Fälle im Oktober auf offen im Internet erreichbare Verwaltungsoberflächen und schwache Passwörter zurück.

Wer hinter den Angriffen steckt, ist offiziell ungeklärt. Bekannt hat sich bislang niemand, Lösegeld wurde nicht gefordert. Sicherheitsforscher halten prorussische Gruppen für eine mögliche Spur, weil solche Gruppen in der Vergangenheit Angriffe auf Kühl- und Industrieanlagen für sich reklamiert haben. Beweise dafür gibt es bislang nicht. Ob die Taten ein gemeinsamer Täter verübte, ist ebenfalls nicht erwiesen.

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