In der Nacht zum Montag sind Supermärkte in sieben europäischen Ländern Opfer eines mutmaßlichen Cyberangriffs auf ihre Kühltechnik geworden. Wie die Tagesschau und die BBC berichten, übernahmen Unbekannte Kühl- und Tiefkühlanlagen aus der Ferne und trieben die Temperaturen teils auf bis zu 50 Grad Celsius. Große Mengen Lebensmittel verdarben und mussten vernichtet werden. Kassen und Zahlungssysteme waren nicht das Ziel.
Am stärksten betroffen war Belgien. Allein bei Delhaize fielen rund 40 Filialen aus – darunter mehrere Märkte in Luxemburg (laut lokalen Medien drei bis vier Standorte in Strassen, Schengen und Schmiede). Hinzu kamen etwa 15 Carrefour-Märkte, rund 15 Intermarché-Filialen, fünf Spar-Standorte, die Metzgereikette De Laet en Van Haver sowie das IKEA-Haus in Mons. Der Kühltechnikdienstleister Sabcobel sprach klar von einem Cyberangriff und mobilisierte ab etwa 1 Uhr Techniker. Eine Delhaize-Filiale in Hoeilaart bezifferte den Warenverlust auf rund 100.000 Euro. Die belgische Staatsanwaltschaft ermittelt; das Cybersecurity-Zentrum CCB bestätigt den Vorfall.
In Schweden meldeten ICA und Coop Störungen. ICA sprach von einer kleinen Zahl Filialen außerhalb des zentralen Netzes; Coop nannte sieben betroffene Märkte. Ein ICA-Markt in Sjöbo schrieb, Kühl- und Gefriergeräte seien über Nacht gehackt und auf 50 Grad gestellt worden. Die Filiale war vorübergehend geschlossen und öffnete später wieder. Schwedens nationales Cyberzentrum untersucht die Fälle.
Damit sind belegt betroffen: Belgien, Luxemburg, Schweden, Irland, die Niederlande, Estland und Finnland. In Irland betraf der Vorfall 13 SuperValu-Märkte der Musgrave Group; gekühlte und gefrorene Ware wurde vorsorglich aus dem Verkauf genommen. In den Niederlanden meldete der Hersteller Danfoss mindestens 17 angegriffene Betriebe, darunter Metzgereien und Nachbarschaftsläden. In Estland war mindestens ein Selver-Markt betroffen, in Finnland meldete die Kette Kesko Störungen in einzelnen K-Märkten.
Ob Deutschland zur Welle zählt, ist offen. Lokal berichtet der Heimatreport aus Raesfeld (Nordrhein-Westfalen) von einem REWE-Markt, dessen Anlagen am Montagmorgen auf bis zu 50 Grad standen; Betreiber David Büsken musste Fleisch, Wurst, Käse und Tiefkühlkost entsorgen. Sein Wartungsdienst sprach von weiteren betroffenen Danfoss-Anlagen in Deutschland. Nationale Medien und Handelsketten haben das bislang nicht flächendeckend bestätigt.
Das Muster gleicht dem großangelegten Angriff auf Frankreichs Supermärkte im Oktober, bei dem Hunderte Filialen Kühlware verloren und teils Brände entstanden. Wer hinter der neuen Welle steckt, ist unklar; es gibt keine Bekennung. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem gezielten Versuch, europäische Lebensmittelversorgung zu stören. Großbritanniens NCSC meldete bislang keine eigenen Vorfälle und beobachtet die Lage. Die Verwundbarkeit vernetzter Kühlsteuerungen bleibt offen – ähnlich wie bei anderen Cyberangriffen auf kritische Infrastruktur.



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