Vor den für Halloween angekündigten Jugendprotesten verrammeln Händler in mehreren deutschen Großstädten ihre Schaufenster. Holz- und Pressspanplatten vor Glasfassaden, geschlossene Filialen, leere Auslagen: In Frankfurt, Köln, Stuttgart, Berlin, Düsseldorf und Hamburg rechnen Juwelier-, Uhren- und Kosmetikgeschäfte mit möglichen Plünderungen. Anlass sind Online-Aufrufe und „Wunschlisten“, die Luxusläden nach dem Vorbild der französischen Krawalle nennen.
Der Uhren- und Schmuckhändler Bucherer schließt am 31. Oktober alle Filialen in Deutschland. Wempe sicherte Scheiben in Frankfurt und Köln mit Platten, Sephora vernagelte Glasfassaden in Frankfurt und Stuttgart. Ein Facility-Dienstleister meldete Aufträge zum Verbarrikadieren aus Stuttgart, Nürnberg und Berlin. In der Stuttgarter Stiftstraße sollten mehrere Läden geschlossen bleiben. Auf TikTok und in Chatgruppen werden unter anderem die Düsseldorfer Königsallee, die Frankfurter Zeil und die Kölner Fußgängerzone genannt.
Die Initiative „Gen Z regelt“ ruft für Samstag zu Protesten in rund 30 Städten auf und spricht von mehr als 160.000 Online-Zusagen, mit dem größten Zulauf in Köln, Stuttgart, Frankfurt, Berlin und Hamburg. Offiziell fordert sie bessere Bildung, niedrigere Lebenshaltungskosten und lehnt Wehrpflicht sowie mehr Überwachung ab. Gewalt weist sie zurück. Gleichzeitig warnen Polizeigewerkschafter und Sicherheitsbehörden, dass sich gewaltbereite Gruppen an die Mobilisierung anhängen könnten.
Ob die Lage in Deutschland ähnlich eskaliert wie in Frankreich, ist offen. Das Bundeskriminalamt erklärte Ende Oktober, es lägen keine Erkenntnisse vor, die auf eine „grundsätzlich unfriedliche Versammlungslage“ schließen ließen. Vereinzelte Postings könnten als Gewaltaufrufe gelesen werden, konkrete Aufrufe zu organisierter Gewalt stellte das BKA aber nicht fest. Auch das Bundesinnenministerium meldete keine weitergehenden Hinweise auf geplante gewalttätige Ausschreitungen bei den angemeldeten Protesten, verwies jedoch darauf, dass Teile der linksextremistischen Szene und vereinzelt Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus die Aufrufe aufgegriffen hätten.
In Frankreich war es Mitte Oktober bei landesweiten Protesten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Am 17. Oktober zählte das Innenministerium 1522 geplünderte Geschäfte, 2628 Festnahmen, 1144 verletzte Einsatzkräfte und über 2000 Brandstiftungs-Einsätze. Am 24. Oktober folgte ein weiterer Protesttag mit zunächst 1314, später 1435 Festnahmen und 24 Plünderungen. Organisatoren sprachen von bis zu 800.000 Teilnehmern, das Ministerium von rund 410.000.
In Österreich hat die Polizei bereits zugeschlagen: Wegen Social-Media-Aufrufen zu Gewalt und Plünderungen von Luxusgeschäften in der Halloween-Nacht wurden sechs Tatverdächtige ausgeforscht, vier davon nach Hausdurchsuchungen in Wien und Niederösterreich vorgeführt. In der Schweiz rufen linksextreme Gruppen zu einer unbewilligten Demo im Zürcher Kreis 4 auf; die Stadtpolizei Zürich kündigte ein entsprechendes Aufgebot an. Konkrete Hinweise auf gezielte Plünderungen von Geschäften in Schweizer Innenstädten lagen den Behörden laut eigenen Angaben bisher nicht vor.
Krawalle an einzelnen Brennpunkten gab es zu Halloween schon früher. In Linz lieferten sich in der Halloween-Nacht 2022 rund 200 überwiegend junge Männer eine Straßenschlacht mit der Polizei; etwa 170 Beamte waren im Einsatz, 129 Identitäten wurden festgestellt, 20 Personen galten als führend beteiligt.
Die Polizei rüstet auf. In Berlin sind für Halloween rund 1500 zusätzliche Kräfte eingeplant, bundesweit Tausende. Die Bundespolizei soll bei Bedarf unterstützen und Verdächtige an der Grenze zurückweisen, die zur gewaltsamen Teilnahme einreisen wollen.



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