Prinz Reuß spricht nach fast vier Jahren U-Haft über die Putschvorwürfe

|

|

Heinrich XIII. Prinz Reuß sitzt seit seiner Festnahme im Dezember 2022 in Untersuchungshaft. Ein Urteil liegt noch nicht vor. Nun hat Roland Tichy ihn in der Justizvollzugsanstalt interviewt. Reuß spricht erstmals ausführlich öffentlich über seine Verhaftung, die Haftbedingungen und die Vorwürfe, er habe mit anderen einen Staatsstreich geplant.

Reuß bestreitet im Gespräch, einen gewaltsamen Umsturz vorbereitet zu haben. Die Anklage wirft ihm hingegen vor, an der Spitze einer terroristischen Vereinigung gestanden zu haben. Tichy fragt nach möglichen Planungen für einen Sturm auf den Bundestag, nach Waffen und nach den Personen, die sich bei Reuß trafen. Die Aussagen des Angeklagten sind seine Verteidigung, kein Gerichtsurteil über den Tatvorwurf.

Ein besonders bemerkenswerter Punkt: Reuß räumt ein, 50.000 Euro für eine angebliche Aktion zur Befreiung missbrauchter Kinder aus unterirdischen Anlagen bereitgestellt zu haben. Heute sieht er sich nach eigener Darstellung als Opfer eines Betrugs. Tichy fragt, warum er an die behauptete „Erdallianz“ glaubte und welche Rolle er bei den Treffen der Gruppe tatsächlich spielte.

Das Gespräch geht auch auf den Alltag in der Haft ein. Reuß schildert Isolation und eingeschränkten Kontakt zu seiner Familie. Seit der Großrazzia sind fast vier Jahre vergangen, während das Verfahren weiterläuft. Die Dauer der Untersuchungshaft ist eine eigenständige Frage, unabhängig davon, wie das Gericht die Vorwürfe am Ende bewertet. F-NEWS berichtete bereits in einem anderen Fall über den Streit um Haft und Rechtsschutz bei Oliver Janich.

Im Reuß-Verfahren geht es um schwerste Anschuldigungen. Umso genauer muss geklärt werden, welche konkreten Handlungen und Beweismittel die Anklage tragen. Auch bei anderen Ermittlungen zeigte sich, wie wichtig die Trennung zwischen Verdacht und belastbarem Nachweis ist: Ein Gericht lehnte etwa einen Haftbefehl aufgrund eines bloßen KI-Gesichtserkennungstreffers ab. Der Fall ist nicht mit dem Reuß-Prozess gleichzusetzen, macht aber den Grundsatz deutlich.

Das Interview enthält keine abschließende Antwort auf die Schuldfrage. Es lässt Reuß selbst zu Wort kommen und konfrontiert ihn zugleich mit Widersprüchen seiner Geschichte. Das vollständige Gespräch mit Roland Tichy:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Entdecke mehr von F-NEWS

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen