Mehr als 148.000 Menschen wurden im Sommer mit offenem Haftbefehl gesucht. 87,3 Prozent hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Die Zahlen stammen aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Sebastian Münzenmaier. AfD-Bundestagsabgeordnete Christina Baum schlägt deshalb Alarm: Für sie zeigen die offenen Haftbefehle einen massiven Kontrollverlust.
Nach den veröffentlichten Angaben waren 11,2 Prozent der Gesuchten ausschließlich deutsche Staatsbürger, weitere 1,5 Prozent besaßen sowohl die deutsche als auch eine andere Staatsangehörigkeit. In absoluten Zahlen wurden 16.671 Personen mit ausschließlich deutschem Pass gesucht. Die Zahlen beschreiben Personen, zu denen offene Haftbefehle vorlagen; sie bedeuten nicht, dass 148.000 schwere Gewalttäter durch deutsche Straßen laufen. Ein Teil der Betroffenen kann sich auch im Ausland aufhalten. Die hohe Zahl nicht vollstreckter Haftbefehle bleibt dennoch ein handfestes Problem für Polizei und Justiz.
Baum fordert Grenzkontrollen, die Vollstreckung aller offenen Haftbefehle und die Abschiebung ausländischer Straftäter. Wer Deutschland bereits verlassen habe und hier per Haftbefehl gesucht werde, dürfe aus ihrer Sicht nicht wieder einreisen. Ihre Kritik trifft einen wunden Punkt: Ein Haftbefehl nützt wenig, wenn der Gesuchte sich dem Zugriff dauerhaft entziehen kann.
F-NEWS hatte bereits darüber berichtet, dass die Bundesregierung keine Zahlen zum Bürgergeldbezug von Personen mit offenem Haftbefehl vorlegen konnte. Auch bei vollzogenen Abschiebungen klafft zwischen politischer Ankündigung und Ergebnis oft eine Lücke, wie die Ausfliegung von nur 13 Afghanen nach Kabul zeigte.
Die Statistik allein verrät nicht, weshalb die einzelnen Haftbefehle erlassen wurden. Darunter können etwa Haftbefehle zur Untersuchungshaft, zur Strafvollstreckung oder wegen nicht bezahlter Geldstrafen sein. Gerade deshalb muss die Regierung offenlegen, wie viele der Gesuchten sich tatsächlich in Deutschland aufhalten, wie viele wegen Gewaltdelikten gesucht werden und wie oft ein offener Haftbefehl bei einer Einreise entdeckt wird. Die bloße Zahl von 148.000 ersetzt diese Antworten nicht.
Baums Forderung nach konsequenter Vollstreckung lässt sich an einem einfachen Maßstab messen: Wer gesucht wird, muss bei einem Treffer im Fahndungssystem festgenommen werden können. Wer das Land verlassen hat und nicht einreisen darf, muss an der Grenze erkannt werden. Sonst bleibt der Haftbefehl ein Datensatz, während der Gesuchte verschwunden ist.
87 Prozent Ausländer: Haftbefehle offenbaren den Kontrollverlust. Laut Bundesinnenministerium werden derzeit über 148.000 Menschen per Haftbefehl gesucht. 87,3 Prozent davon sind Ausländer.
— Dr. Christina Baum MdB (@DrChristinaBaum) October 9, 2026








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