Deutschland droht der Verlust von mindestens 200.000 Arbeitsplätzen in der Autoindustrie. Das ist die Prognose der Unternehmensberatung Roland Berger, über die zuerst das „manager magazin“ und anschließend CIO berichteten. Die Zahl der Beschäftigten bei Herstellern und Zulieferern könnte von rund 692.000 Ende 2025 auf etwa 490.000 bis 2030 sinken. Das wäre ein Rückgang um gut 29 Prozent. Es handelt sich um eine Schätzung, nicht um bereits beschlossene Entlassungen.
Hinter der runden Zahl stehen ganze industrielle Regionen. Ein gestrichener Arbeitsplatz bei einem Hersteller bleibt selten auf ein einzelnes Werk begrenzt: Zulieferer, Werkzeugbauer, Logistik und örtliche Dienstleister hängen am selben Produktionsnetz. Wenn Aufträge und Investitionen abwandern, verschwinden nicht nur Stellen, sondern auch Fachwissen und die Grundlage für spätere neue Modelle.
Roland-Berger-Berater Felix Mogge hält nach dem Bericht eine noch schlechtere Entwicklung für möglich. Mehr als fünf deutsche Autowerke könnten bis spätestens 2035 geschlossen werden. In Standorten mit niedrigeren Kosten lasse sich ein Wagen durchschnittlich rund 2.000 Euro günstiger produzieren als in Deutschland. Diesen Abstand kann ein Hersteller nicht dauerhaft allein durch Appelle an die Belegschaft ausgleichen.
Die Krise ist längst in den Betrieben angekommen. Volkswagen plant einen massiven zusätzlichen Stellenabbau, auch Mercedes und große Zulieferer wie Bosch und ZF sparen. F-NEWS dokumentiert die einzelnen Programme im Dossier zur Krise der deutschen Autoindustrie. Der Abbauplan bei Volkswagen zeigt, wie aus einer abstrakten Branchenprognose konkrete Unsicherheit für Beschäftigte und Standorte wird.
Die Umstellung auf Elektromobilität kostet gleichzeitig viel Geld, während chinesische Anbieter bei Preisen und Teilen der neuen Technik Druck machen. Hinzu kommen hohe Standortkosten, schwache Absatzmärkte und eine Politik, die den Wechsel des Antriebs per Zeitplan erzwingen will. Roland Berger hat in einer weiteren Untersuchung zu mittelständischen Zulieferern bereits festgestellt, dass seit 2019 rund 100.000 Arbeitsplätze der deutschen Autoindustrie verloren gingen. Die aktuelle Prognose kommt also auf einen bereits laufenden Abbau obendrauf.
Wer die 200.000 als unvermeidlichen Preis einer „Transformation“ abtut, spricht über Menschen, deren Beruf und Lebensplanung am Standort hängen. Ein schnellerer Wechsel auf Elektroautos allein sichert keinen deutschen Arbeitsplatz, wenn Batterien, Komponenten und neue Werke anderswo entstehen. Roland Bergers Rechnung zeigt, wie groß die Lücke zwischen politischer Erfolgserzählung und industrieller Wirklichkeit inzwischen geworden ist.







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