Wird die AfD selbst zu dem, wogegen sie einmal angetreten ist? Der frühere Bundestagsabgeordnete Hansjörg Müller warnt im Gespräch mit Flavio von Witzleben davor, dass die Partei im politischen Mainstream aufgeht. Seine Kritik richtet sich gegen innerparteiliche Machtkämpfe und die Führung um Alice Weidel.
Müller spricht als früherer Funktionär: Er saß von 2017 bis 2021 für die AfD im Bundestag und war von 2017 bis 2019 parlamentarischer Geschäftsführer ihrer Fraktion. Seine damalige Parteizugehörigkeit und seinen wirtschaftspolitischen Hintergrund dokumentiert die archivierte Bundestagsbiografie. In seinem Buch „Scheindemokratie“ beschreibt er den Parteien- und Parlamentsbetrieb aus seiner Sicht als Insider. Der Verlag stellt das Werk als Erlebnisbericht über die Führungsetagen der AfD und ihre ungenutzten politischen Möglichkeiten vor.
Im gut einstündigen Interview behauptet Müller, die AfD sei von Anfang an unterwandert worden. Zugleich bezeichnet er sie als eine „nützliche Partei im System“. Er schildert außerdem den Konflikt zwischen Ost- und Westverbänden, der nach seiner Einschätzung das Potenzial hatte, die Partei zu zerreißen.
Besonders scharf fällt sein persönliches Urteil über Weidel aus. Er habe sie zwei Jahre aus nächster Nähe erlebt und halte sie für „eiskalt, ohne jegliche Überzeugung“.
Wie die AfD praktisch mit Macht und parlamentarischem Einfluss umgeht, hat F-News zuletzt bei der Verständigung von AfD und BSW über Landtagsposten aufgegriffen. Über Weidels öffentliche Oppositionsrolle berichteten wir anhand ihrer Abrechnung mit Merz in der Generaldebatte. Müllers Kritik zielt auf die Spannung dazwischen: Eine Partei kann laut gegen das politische Establishment auftreten und sich im parlamentarischen Alltag trotzdem darin einrichten.



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