Die Amerikaner wählen am Dienstag, dem 3. November 2026, den Kongress. Ich wollte verstehen, wie das funktioniert. Inzwischen liegen fünfzig Merkblätter auf meinem Tisch. Meine Frau hat den Jägermeister schon mal gebracht.
Amerika erklärt der Welt die Demokratie, aber für den Hausgebrauch hat es fünfzig verschiedene Bedienungsanleitungen. Wer einen Präsidenten wählen möchte, sollte früh anfangen. Am besten während der Amtszeit des vorletzten. Diesmal geht es um den Kongress. Ich bin noch bei den Teilnahmebedingungen.
Ich bin das Volk
In Deutschland landet man normalerweise übers Einwohnermeldeamt ins Wählerverzeichnis. In Amerika muss sich der Bürger vielerorts selbst darum kümmern. Der Amerikaner muss also zunächst herausfinden, ob er noch etwas tun muss, damit er etwas tun darf. Anschließend darf er aber als registrierter Demokrat einen Republikaner wählen oder umgekehrt. Die Registrierung verrät also nicht zuverlässig, was er später ankreuzt. Ich registriere mich vorläufig als unentschlossen. Falls dafür noch ein Formular frei ist.
Die Demokratie, so halb und halb
Vor der Wahl kommen die Vorwahlen, wie die Suppe vor dem Steak. Dort wird ausgewählt, wen man später auswählen kann. Es gibt offene, geschlossene und Zwischenformen. Halboffen, halb geschlossen. Mir wird langsam klar, warum amerikanische Häuser so große Garagen haben. Irgendwo müssen die Vorschriften liegen. Über dem Ganzen könnte der schöne Spruch stehen: Wenn du sie nicht überzeugen kannst, dann verwirre sie wenigstens.
Das Gesicht bleibt, die Vorschrift wechselt
Dann die Sache mit dem Personalausweis. Einen einheitlichen wie bei uns gibt es nicht. Also den Reisepass, den haben noch weniger. Den Führerschein? Einen anderen amtlichen Lichtbildausweis? Anderswo genügt auch eine Stromrechnung. Endlich bekommt die teure Elektrizität einen demokratischen Zusatznutzen.
Welche Dokumente anerkannt werden, hängt wieder vom Bundesstaat ab. Wer kein Auto fährt, hat auch keinen Führerschein. Nach rund 250 Jahren Amerika wird noch darüber gestritten, wie man feststellt, ob ein Amerikaner vor einem steht.
Bitte den Umschlag beachten
Vielleicht geht es per Briefwahl einfacher. Dafür braucht der Umschlag die richtigen Angaben. Aber Wahlscheine wurden offenbar verteilt wie Bonbons, an alle die einen Kugelschreiber besitzen. Geschummelt werden darf in USA nicht, denn Manipulation ist ja verboten. Das beruhigt mich ungefähr so sehr wie ein Schild an der Bank: Einbrechen untersagt.
Auch die sogenannten Wahlmaschinen in der Wahlkabine haben ihre Tücken. Je nach System auf den Bildschirm tippen, Papier ausdrucken oder den Papierzettel maschinell zählen lassen. Ich aber hätte gern einen Bleistift. Vermutlich liegt er im zuständigen Bundesstaat.
Am Ende soll mein Kreuzchen geheim bleiben. Wie ich aber bis dorthin gekommen bin, könnte ich ohnehin niemandem mehr erklären. Den Schnaps habe ich jetzt eingeschenkt. Dafür war keine Registrierung erforderlich.
Das ist Amerika, das ist Demokratie.








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