Anthropic warnt vor russischem Missbrauch seines KI-Modells Claude. Ein russischsprachiger Akteur soll mit Hilfe der KI Cyberangriffe gegen ukrainische und europäische Regierungsstellen, Geheimdienste, Botschaften und Rüstungsunternehmen organisiert haben. Sofort steht die bekannte Botschaft im Raum: Russland setzt künstliche Intelligenz für gefährliche Attacken ein. Doch womit steuert die Ukraine eigentlich ihre Drohnen?
Der neue Gefahrenbericht von Anthropic beschreibt den Akteur unter der Bezeichnung GTG-20006. Dessen Vorgehen passe zu öffentlich bekannten Berichten über die Gruppe Midnight Blizzard und zu russischer staatlicher Cyberspionage. Mehr als 20 Organisationen tauchten laut Anthropic in Planung, Ausspähung und laufenden Operationen auf.
Claude soll dabei nicht nur Texte geliefert haben. KI-gestützte Arbeitsabläufe halfen bei Aufklärung, Phishing, Beschaffung von Infrastruktur, Diebstahl von Zugangsdaten und Abtransport erbeuteter Daten. Wurde Schadsoftware von einem Sicherheitssystem erkannt, ließ der Angreifer sie automatisiert verändern und neu bauen, bis sie wieder unerkannt blieb. Anthropic sperrte die betreffenden Konten und verschärfte nach eigenen Angaben seine Schutzmaßnahmen.
Zu den Zielen gehörte ausdrücklich die ukrainische Drohnenindustrie. Der Angreifer exportierte Postfächer von mindestens zwei Zulieferern, attackierte einen Drohnenhersteller und stahl laut Anthropic ein vollständiges Softwarepaket für ein Drohnen-Sichtsystem. Anschließend wurde dessen Aufbau mehrere Tage lang analysiert.
Während Anthropic russische KI-Nutzung als Missbrauch meldet, wirbt das ukrainische Verteidigungsministerium offen mit künstlicher Intelligenz im Krieg. Im Juni präsentierte es Abfangdrohnen, bei denen 95 Prozent des Weges vom Start bis zur Zerstörung einer gegnerischen Drohne automatisiert seien. Der Bediener wählt das Ziel und gibt den Angriff frei; danach führt das System die Drohne selbstständig, erkennt das Ziel, verfolgt es und greift es an.
Weitere ukrainische Systeme nutzen Kamerabilder, gespeicherte Karten und KI-Chips zur Navigation ohne GPS. Computer Vision vergleicht das Gelände unter der Drohne mit vorbereiteten Bilddaten und korrigiert den Kurs. Bei manchen Systemen übernimmt die Software auch die Zielerkennung oder die letzte Anflugphase. Welche Modelle und Anbieter überall eingesetzt werden, wird aus militärischen Gründen nur teilweise offengelegt. Einen Beleg dafür, dass Claude ukrainische Drohnen steuert, gibt es nicht.
Die beiden Formen des KI-Einsatzes unterscheiden sich: Hier geht es um den unerlaubten Einsatz eines kommerziellen Sprachmodells für Cyberspionage, dort um eigens entwickelte militärische Steuerungs- und Bilderkennungssysteme. Politisch fällt die Sprache trotzdem auf. Russische KI ist „Missbrauch“. Ukrainische KI heißt in einer neuen britisch-ukrainischen Partnerschaft „battlefield advantage“ – Vorteil auf dem Schlachtfeld.
F-NEWS berichtete bereits darüber, dass Claude bei Sicherheitstests selbst in reale Systeme eindrang. Gleichzeitig testet auch die Bundeswehr KI-gestützte Kamikazedrohnen. Die militärische Nutzung künstlicher Intelligenz ist längst kein russisches Sonderproblem.
Wenn Algorithmen Netze angreifen, Ziele erkennen und Drohnen in die letzte Angriffsphase führen, braucht es für alle Seiten denselben Maßstab. Ein Algorithmus wird nicht friedlich, nur weil auf dem Gerät eine ukrainische, deutsche oder britische Fahne klebt.








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