Britische Apple-Kunden haben eine wichtige Schutzfunktion für ihre privaten Daten verloren. Apple bietet den erweiterten iCloud-Datenschutz „Advanced Data Protection“ in Großbritannien nicht mehr für neue Nutzer an. Wer die Funktion bereits aktiviert hatte, sollte sie abschalten, um sein iCloud-Konto weiter nutzen zu können. Ausgerechnet während eines Streits über den Zugriff der britischen Regierung auf verschlüsselte Daten gab Apple damit eine zusätzliche Schutzschicht für Fotos, Backups und Dokumente auf.
Apple bestätigt den Rückzug selbst. Ohne diese Zusatzfunktion sind zehn iCloud-Datenkategorien, darunter Backups, iCloud Drive, Fotos und Notizen, nur noch durch Apples Standardschutz gesichert. Apple hält dabei die Schlüssel, mit denen diese Daten unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen zugänglich gemacht werden können. Andere Kategorien wie Passwörter im iCloud-Schlüsselbund und Gesundheitsdaten bleiben nach Angaben des Konzerns weiterhin Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Es geht also nicht um eine komplette Abschaltung der Verschlüsselung, sondern um den Verlust einer entscheidenden Wahlmöglichkeit für britische Kunden.
Warum wurde sie gestrichen? Berichten zufolge verlangte das britische Innenministerium mit einer geheimen technischen Anordnung Zugriffsmöglichkeiten auf geschützte iCloud-Daten. Zunächst soll die Forderung Nutzer weltweit betroffen haben; eine spätere Anordnung soll auf britische Nutzer beschränkt worden sein. Privacy International dokumentiert die Verfahren gegen diese sogenannten Technical Capability Notices. Der genaue Wortlaut der Anordnungen ist nicht öffentlich. Die Regierung will nicht einmal bestätigen oder dementieren, ob die aktuelle Anordnung existiert.
Auch Apple spricht über die konkrete Forderung nicht offen. Der Konzern sagt lediglich, er habe nie eine Hintertür oder einen Generalschlüssel geschaffen und werde das auch künftig nicht tun. Gleichzeitig kämpft er vor dem britischen Investigatory Powers Tribunal gegen die Befugnisse der Regierung. Für Kunden bleibt eine einfache Frage unbeantwortet: Was genau hat London von Apple verlangt, und was gilt davon heute noch?
Bei einer Anhörung am 17. September nannte Ben Jaffey, Anwalt der Bürgerrechtsgruppen Privacy International und Liberty, die Geheimhaltung „farcical“, also eine Farce. Wie Reclaim The Net berichtet, argumentierte er, dass Medien, amerikanische Regierungsvertreter und das Gerichtsverfahren den Vorgang längst öffentlich gemacht hätten. London hält dagegen, eine offizielle Bestätigung könne der nationalen Sicherheit und Strafverfolgung schaden. Über die Rechtmäßigkeit der umstrittenen Befugnisse ist noch nicht entschieden.
Für deutsche Leser ist der Fall ein Warnsignal. Wenn ein Staat Druck auf die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausübt, muss nicht erst eine offen eingebaute Hintertür erscheinen. Es reicht schon, wenn ein Anbieter den stärksten Schutz in einem Land zurückzieht und beide Seiten die Gründe im Dunkeln lassen. F-News berichtete über die Debatte um die Chatkontrolle in der EU. In Großbritannien sehen Nutzer bereits, wie ein solcher Machtkampf ihre Privatsphäre praktisch trifft.







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