Asyl mit erfundener Homosexualität? Briten prüfen dubiose NGO und über 100 Fälle

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Das britische Innenministerium prüft mehr als 100 Asylanträge, bei denen Zweifel an einer behaupteten Homosexualität bestehen. Die Fälle stehen laut einer Recherche der Daily Mail im Zusammenhang mit Apanjon, einer Organisation für homosexuelle Menschen aus Bangladesch mit Sitz im Londoner Stadtteil Whitechapel. Zwei Männer wurden bei Razzien festgenommen. Ob die Organisation selbst an Straftaten beteiligt war, ist damit nicht entschieden.

Der Verdacht betrifft offenbar fertig zusammengestellte Beweispakete für Asylverfahren. Die Daily Mail beschreibt angeblich gefälschte Unterlagen, Unterstützungsschreiben und gestellte Fotos aus Bars und bei Veranstaltungen. Für solche Pakete sollen Tausende Pfund verlangt worden sein. Nach Angaben des Innenministeriums machten manche Antragsteller ihre angebliche Homosexualität erst geltend, nachdem ein Asylantrag aus politischen Gründen abgelehnt worden war.

Ein Gericht befasste sich bereits im August mit einem Fall, in dem Apanjon eine Rolle spielte. Ein Mann aus Bangladesch gab an, bei der Gruppe bekannt zu sein und einen Freund zu haben. Ein Zeuge stützte seine Angaben. Der Richter bewertete die vorgelegten Belege laut Daily Mail jedoch als konstruiert und die Fotos als gestellt. Die Entscheidung hielt auch im Berufungsverfahren. Ob dieser Fall zu den jetzt überprüften Anträgen gehört, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Wie ein solches Geschäft funktionieren kann, zeigte nach Darstellung der Daily Mail schon eine verdeckte BBC-Recherche bei Worcester LGBT. Eine Beraterin soll einem Reporter angeboten haben, für 2.500 Pfund eine erfundene Geschichte für die Befragung durch das Innenministerium vorzubereiten. Dazu sollten Fotos, Briefe und eine Bestätigung der Organisation kommen. Der Gründer von Worcester LGBT wies ein Fehlverhalten der Gruppe zurück; die Beraterin wurde ausgeschlossen. Die Organisation stellte später ihre Arbeit ein.

Der Gründer des Muslim LGBT Network, Ejel Khan, sagte der Daily Mail, ihm sei Geld für Empfehlungsschreiben angeboten worden, obwohl die Interessenten ihm gegenüber eingeräumt hätten, nicht homosexuell zu sein. Er lehnte ab. Auch der Bürgerrechtler Peter Tatchell begrüßte die Untersuchung: Gefälschte Anträge gefährdeten das Vertrauen in das Verfahren und könnten Menschen verdrängen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung tatsächlich verfolgt werden.

Bei F-NEWS gab es bereits einen Bericht über einen Wiener Asylverein, der Behörden und Gerichte getäuscht haben soll. Die Schwachstellen bei der Prüfung von Angaben im Asylverfahren zeigte auch der Fall „Asyl per Fragebogen“ in Belfast. Im aktuellen Londoner Fall geht es nun nicht um eine einzelne erfundene Geschichte, sondern um mehr als 100 Anträge, die die britischen Behörden erneut prüfen.

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