Berlin: Im Merzen der Bauer die Rösslein ausspannt

|

|

Berühmt wurden die Iden des März am 15. März 44 vor Christus. Julius Caesar ging zu einer Sitzung des Senats. Dort warteten Senatoren auf ihn, den Dolch im Gewande. Er wurde mit 23 Stichen ermordet. Unter den Verschwörern auch Brutus, ein Mann seines Vertrauens. Er hinterließ weder Nachkommen noch Gene.

Im März werden auch Äcker umgepflügt, Revolutionen angezettelt und manchmal Herrscher aus dem Weg geräumt. Was im Februar noch sicher erschien, kann im März schon wieder Geschichte sein. Seitdem stehen die Iden des März für einen Tag, an dem ein mächtiger Mann feststellen muss, dass andere mit ihm andere Pläne haben.

Auch Berlin hatte schon einmal seinen März

Am 18. März 1848 gingen die Berliner Bürger auf die Straße. Sie verlangten Pressefreiheit und Bürgerrechte. Barrikaden wurden gebaut, Soldaten rückten gegen die Demonstranten an, es wurde in die Menge geschossen. Mehr als 250 tote Männer gingen als Märzgefallene in die Geschichte ein. Die Demonstrationen zur Coronazeit hatten demnach historische Vorbilder. Vor dem Brandenburger Tor erinnert der Platz des 18. März daran, wie schon vor über 170 Jahren Bürger unterdrückt wurden.

Im Märzen der Bauer

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“, heißt es in dem alten Lied. Der Winter ist vorbei. Der Bauer pflügt mit kräftigen Pferden oder Kühen die harte Erde um. Was zuvor 20 Zentimeter tief im Dunkeln lag, kommt ans Licht und ist bereit für Neues, für die Weizen-, Gerste-, Hafer- oder Roggensaat.

Dann beginnt der Kampf gegen die Natur

Kampf gegen Käferbefall, gegen Pilzbefall, Kampf gegen Trockenheit, Kampf gegen Nässe, Kampf gegen Unkraut, das dem Weizen die Nahrung stiehlt. Kampf gegen die Unbilden des Wetters, das hoffentlich nichts verhagelt. Auch der Kampf gegen die Plage der Feldmäuse und Wildschweine. Erst dann kann die Ernte in die Scheuer gefahren werden. Der Erde Brot abzuringen erfordert Kabinettsentscheidungen am Küchentisch. Werden diese vertagt und verzögert, bleiben Teller und Mägen leer.

Wer diesen Kampf nicht auf sich nahm, stand mit leeren Händen da, musste darben und bei befreundeten Nachbarn um Energie betteln: um Brot, Milch, Kartoffeln und Schmalz.

Goldener September, leere Scheune

Im September sind genau sechs Monate seit den Iden des März vergangen. Der Bauer zieht nun mit dem Erntewagen aufs Feld und erhält die Quittung. Die Nachbarschaft äugt neidisch oder schadenfroh herüber, spottet oder lobt. Nun zeigt sich, was aus dem März geworden ist und ob die Schalmeien damals nicht etwas voreilig und verführerisch klangen. Ist der Erntewagen schwer beladen, war die Arbeit gut. Ist er leer, helfen keine Erklärungen. Ein Rücktritt hülfe dem Bauernhof nicht.

Doch nach der Ernte werden die Rösslein wieder eingespannt. Die Getreidestoppeln werden untergepflügt. Was oben stand, dreht der Pflug nach unten. Was unten lag, kommt ans Licht des Tages. Und der Acker ist bereit für die nächste Saat, für den Winterweizen. Bliebe also noch etwas Zeit, die Knechte und Mägde oder gar den Bauern auszusortieren.

Und über allem segeln die Vöglein des Himmels. Sie säen nicht, sie ernten nicht, und der Steuerzahler ernähret sie doch. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Entdecke mehr von F-NEWS

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen