Die Bundeswehr hat 2025 insgesamt 3.131 Minderjährige als Soldaten eingestellt. Alle waren bei Dienstantritt 17 Jahre alt. Das waren 928 mehr als 2024, ein Anstieg um rund 42 Prozent. Jeder achte neue Soldat war damit noch nicht volljährig. Die Zahlen stammen aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums an den Bundestag. Kinderrechts- und Friedensorganisationen verlangen, die Rekrutierung vor dem 18. Geburtstag zu beenden.
Kla.TV greift die Entwicklung in einem Beitrag vom 3. November mit dem Titel „Deutsche Bundeswehr rekrutiert immer mehr Minderjährige“ auf. Die zugrunde liegenden Zahlen sind keine neue November-Erhebung. Staatssekretär Sebastian Hartmann teilte sie bereits am 25. Februar 2026 auf eine schriftliche Frage der Linken-Abgeordneten Heidi Reichinnek mit. Deutschlandfunk und die Nachrichtenagentur dpa berichteten darüber Ende Februar.
Die Regierungsantwort nennt 2.690 junge Männer und 441 junge Frauen. Zusammen stellten sie 12,5 Prozent aller 2025 neu eingestellten Soldaten. Im Vorjahr waren es 2.203 Minderjährige und ein Anteil von 10,9 Prozent gewesen. Es steigt also nicht nur die Zahl der jungen Rekruten, sondern auch ihr Gewicht unter den Neueinstellungen. Mit einer Gesamtzahl aller derzeit dienenden minderjährigen Soldaten sind diese Einstellungszahlen nicht gleichzusetzen.
Ein Bündnis aus Menschenrechts-, Friedens-, Kirchen- und Gewerkschaftsorganisationen wandte sich am 27. Februar mit einem offenen Brief an Verteidigungsminister Boris Pistorius. Zu den Unterzeichnern gehören Terre des Hommes, die GEW und Human Rights Watch. Sie fordern ein Mindestalter von 18 Jahren und ein Ende der Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen. Ihre Kritik richtet sich auch gegen die Ausbildung an der Waffe und gegen die Risiken militärischer Hierarchien für Jugendliche.
Dass der Schutz Minderjähriger keine abstrakte Frage ist, zeigt dieselbe Regierungsantwort vom Februar. Mit Blick auf die damaligen Ermittlungen in der Fallschirmjäger-Kaserne in Zweibrücken bestätigte das Ministerium, dass eine minderjährige Soldatin als Opfer betroffen war. Sie sei nicht entlassen worden. Außerdem verließen 2025 insgesamt 638 minderjährige Soldaten die Bundeswehr vorzeitig: 499 kündigten, 139 wurden entlassen. Diese Abgänge sind eine eigene Jahresstatistik und nicht automatisch eine Abbruchquote der 2025 Eingestellten.
Die derzeit geltende Soldatenlaufbahnverordnung setzt die Untergrenze bei 17 Jahren. Für Minderjährige verlangt die Bundeswehr die Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Die Ausbildung umfasst auch den Umgang mit Waffen. Nach den von der Bundesregierung beschriebenen Schutzregeln ist deren Gebrauch vor dem 18. Geburtstag auf die Ausbildung unter strenger Aufsicht beschränkt. Bewaffneter Wachdienst und Auslandseinsätze sind ausgeschlossen. Ausgebildet werden die Jugendlichen trotzdem bereits als Soldaten, nicht als zivile Praktikanten.
Der von den Organisationen geforderte „Straight-18“-Standard ist von den verbindlichen Mindestregeln des UN-Fakultativprotokolls zu unterscheiden. Dieses verbietet die verpflichtende Einziehung unter 18-Jähriger. Freiwillige Aufnahme vor der Volljährigkeit lässt es unter Schutzauflagen zu, darunter die aufgeklärte Zustimmung der Eltern, die Information über die Dienstpflichten und einen verlässlichen Altersnachweis. Deutschland hat bei der Ratifikation ausdrücklich 17 Jahre als Mindestalter für den freiwilligen Dienst erklärt.
Der politische Druck zum Personalaufbau bleibt der Hintergrund. F-News hat bereits beschrieben, wie die Bundeswehr junge Menschen als „Wehrpotenzial“ einordnet und wie Musterungsladungen trotz erklärter Ablehnung des Dienstes verschickt werden. Erfassung, Musterung und die freiwillige Einstellung eines 17-Jährigen sind unterschiedliche Vorgänge. Gerade deshalb muss bei der Rekrutierung klar bleiben, wer noch minderjährig ist und welche Verpflichtungen er eingeht.
Die Forderung der Kinderrechtsorganisationen ist eindeutig: Die militärische Laufbahn soll erst mit der Volljährigkeit beginnen. Nach geltendem Recht bleibt der Einstieg dagegen bereits mit 17 möglich. Der Nachwuchsbedarf einer Armee ist kein überzeugender Maßstab dafür, wie früh Jugendliche an Waffen und militärische Verpflichtungen gebunden werden sollten.



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