Die Bundeswehr präsentiert eine neue Bevölkerungsbefragung wie eine Inventur künftiger Rekruten. Gut 2.200 Menschen wurden im April und Mai befragt. Daraus rechnet ihr Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften Millionen Männer und Frauen hoch, die Deutschland im Fall eines militärischen Angriffs mit der Waffe verteidigen würden. Es ist nur eine Antwort auf ein hypothetisches Szenario, keine Einberufung und auch keine Zusage, Soldat zu werden.
Die Pressemitteilung macht aus dieser Unterscheidung jedoch eine Rekrutierungsrechnung. Unter den 20- bis 40-Jährigen entsprächen die Antworten fünf Millionen Männern und knapp zwei Millionen Frauen. Von den 16- bis 29-Jährigen könnten sich laut Umfrage rund eine Million Männer den Soldatenberuf vorstellen. Am Ende schreibt die Bundeswehr, das vorhandene „Wehrpotenzial“ müsse ausgeschöpft werden. So schnell werden aus Bürgern Zahlen in einer Personalplanung.
Besonders perfide ist der Blick auf die Jugend. Wer mit 16 oder 20 in einer Befragung eine grundsätzliche Bereitschaft äußert, hat weder den Krieg erlebt noch einer konkreten Verwendung zugestimmt. Trotzdem werden solche Antworten bereits als Ansatz für die gezielte Ansprache junger Menschen gelesen. Die Pressestelle nennt das gesellschaftliche Wehrbereitschaft. Man kann es auch Werbung für die nächste Rekrutierungsrunde nennen.
Erich Maria Remarque beschrieb in Im Westen nichts Neues, wie jungen Männern mit großen Worten der Krieg schmackhaft gemacht wurde und was aus ihnen an der Front wurde. Die Verhältnisse sind heute zwar anders, die Versuchung, Jugend und Opferbereitschaft in wohlklingende Statistiken zu verwandeln, ist geblieben. Hinter jeder hochgerechneten Million steht ein einzelner Mensch, der sterben, verwundet werden oder für den Rest seines Lebens gezeichnet sein könnte.
Als Hauptbedrohung wird Russland beschrieben, so hat man es mit der Fragestellung einer angeblichen Mehrheit den Mund gelegt. Lediglich die „Anhängerschaft der AfD“ würde das nicht so sehen. Dabei liegt die AfD nicht nur in einzelnen Bundesländern, sondern auch bundesweit an der Spitze und bildet somit die Mehrheit, was die Erzählung der Bundeswehr ad absurdum führt. Aber bei Kriegstreiberei kam es noch nie auf Fakten und Logik an, sondern darauf, möglichst viele „Freiwillige“ als Kanonenfutter an die Front zu locken.







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