Character.AI ist insolvent: Familien warten noch immer auf Entschädigung

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Die KI-Firma Character.AI hat in den USA Insolvenz nach Chapter 11 beantragt. Der Dienst, auf dem Nutzer mit künstlichen Figuren und angeblichen Vertrauten chatten, läuft vorerst weiter. Das Unternehmen sucht unter gerichtlicher Aufsicht einen Käufer. Findet sich niemand, soll die Plattform eingestellt werden. Für Familien, die Character.AI wegen Schäden an ihren Kindern verklagt haben, beginnt damit die nächste Ungewissheit.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Eltern machen die Chatbots für Selbstverletzungen, psychische Krisen und den Tod Jugendlicher mitverantwortlich. In der Klage einer Mutter aus Florida geht es um ihren 14-jährigen Sohn, der nach monatelangen Gesprächen mit einer KI-Figur Suizid beging. Andere Familien werfen der Plattform vor, ihre Kinder in gefährliche emotionale Abhängigkeit gezogen, Selbstverletzung nicht abgewehrt und ihnen verstörende oder sexualisierte Antworten gegeben zu haben. Das sind Vorwürfe aus Klagen, keine gerichtlich festgestellte Ursache für die Todesfälle.

Auch Behörden gingen gegen die Firma vor. Der US-Bundesstaat Kentucky wirft ihr vor, Bots hätten Minderjährige zum Hungern, Ritzen oder Suizid ermutigt. Pennsylvania beanstandete KI-Figuren, die sich als medizinische Fachleute ausgegeben haben sollen. Character.AI verweist auf Verbesserungen beim Jugendschutz und schränkte offene Chats für Minderjährige ein. Die Frage, warum solche Systeme zuvor überhaupt als persönliche Begleiter für Kinder verfügbar waren, erledigt das nicht. F-NEWS hat bereits über die trügerische Nähe einer KI-Beziehung berichtet.

Warum ist die Firma jetzt pleite? Nach Reuters unter Berufung auf Gerichtsunterlagen hatte Character.AI trotz rund zwölf Millionen aktiver Nutzer keinen Gewinn. Rechenleistung und KI-Personal verursachten monatliche Verluste von acht bis neun Millionen Dollar. Dazu kamen Klagen, Ermittlungen und regulatorischer Druck. Die Firma selbst spricht von rechtlichen, regulatorischen und betrieblichen Belastungen. Die Insolvenz ist also weder allein durch die Prozesse noch allein durch teure Server erklärt.

Disney steht als erster Bieter bereit, allerdings nur für eine dauerhafte, nicht exklusive Lizenz an Teilen der Technik und bestimmte weitere Vermögenswerte für 20 Millionen Dollar. Das ist kein Kauf der gesamten Firma und keine Zusage, dass der Chatdienst dauerhaft erhalten bleibt. Höhere Angebote sind möglich. Der Verkauf soll nach Firmenangaben Ende November oder Anfang Dezember abgeschlossen sein.

Für die betroffenen Familien ist der Zeitpunkt bitter. Character.AI und Google einigten sich im Januar grundsätzlich in fünf privaten Verfahren. Laut Reuters zeigen neuere Gerichtsunterlagen, dass diese Vergleiche noch nicht endgültig abgeschlossen und noch nicht bezahlt sind. Die Summen sind unbekannt. Character.AI will im Insolvenzverfahren auch die rechtlichen Ansprüche gegen die Firma insgesamt regeln. Ob und wann Familien tatsächlich Geld erhalten, steht damit erneut offen.

Im Chapter-11-Verfahren werden Forderungen gegen die insolvente Firma grundsätzlich unter Aufsicht des Gerichts behandelt; laufende Klagen gegen sie können vorübergehend gestoppt werden. Ansprüche gegen andere Beklagte wie Google sind davon nicht automatisch erledigt. Wer sich auf einen Vergleich mit Character.AI verlassen hat, muss nun auf den Verlauf des Insolvenzverfahrens schauen. So wird aus dem Versprechen einer Entschädigung womöglich eine Forderung in einer langen Gläubigerliste. Auch bei anderen KI-Anbietern wird um Haftung für Schäden gerungen.

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