Deutschland bekommt D-You. Gleichzeitig gibt es die EUDI-Wallet, die BundID, die künftige DeutschlandID, die AusweisApp, die Bürger-App und die elektronische Patientenakte. Wer soll da noch wissen, welche App wofür zuständig ist?
Die erste Auflösung: D-You ist die deutsche staatliche EUDI-Wallet. Es sind also nicht zwei verschiedene Wallets. Die EU schreibt jedem Mitgliedstaat mindestens eine digitale Brieftasche nach gemeinsamen europäischen Regeln vor. Deutschland gibt seiner Version nun den Namen D-You.
Einfach wird es trotzdem nicht. Die AusweisApp bleibt. Die BundID wird zur DeutschlandID weiterentwickelt. Die Bürger-App soll ein eigener Zugang zu Verwaltungsleistungen werden. Die elektronische Patientenakte bleibt ebenfalls getrennt. Auch die europäische Altersnachweis-App ist nicht mit der EUDI-Wallet identisch. Verbunden werden soll das alles durch Schnittstellen.
Der Bürger soll künftig erraten, ob er für einen Behördengang D-You, die DeutschlandID, die Bürger-App oder zusätzlich die AusweisApp braucht. Welche App öffnet welche App? Welches Konto erkennt welchen Nachweis? Und was passiert, wenn nur eine Schnittstelle streikt?
Zum Start am 2. Januar 2027 soll D-You bei rund 40 Anbietern funktionieren. Führerschein, Zeugnisse und weitere Dokumente kommen erst schrittweise hinzu. Für einen Staat mit Tausenden Behörden, Kommunen, Hochschulen, Banken und Versicherern ist das noch kein digitaler Durchbruch, sondern ein begrenzter Testbetrieb mit großem Werbeversprechen.
Wer ist nun bekloppter: die EU oder die Bundesrepublik? Brüssel hat das gewaltige EUDI-Regelwerk, gemeinsame Standards und einen festen Einführungstermin geschaffen. Berlin hätte daraus wenigstens einen klaren Zugang für die Bürger bauen können. Stattdessen bleiben alte und neue Apps nebeneinander bestehen und werden mit Konten und Schnittstellen zusammengebunden.
Selbst die offizielle EUDI-Wallet-Seite kann das Zusammenspiel noch nicht erklären. Dort heißt es zur Bürger-App: „Wie das Zusammenspiel von EUDI-Wallet und Bürger-App für Nutzerinnen und Nutzer konkret ausgestaltet wird, wird derzeit von den beteiligten Projektpartnern konzipiert.“
Hinzu kommt die wachsende Abhängigkeit von zentralen technischen Systemen. F-NEWS hat die Entwicklung beim Ausbau staatlicher Datensysteme und bei der Verbindung von digitalem Euro und staatlichen Wallets dokumentiert.
Brüssel schreibt eine Wallet vor. Berlin macht daraus einen App- und Schnittstellensalat – und nennt das Vereinfachung.








Schreibe einen Kommentar