Die Demokraten im Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses werfen Donald Trump eine aktive Beteiligung an Jeffrey Epsteins sexuellem Missbrauch junger Frauen vor. Ein am 26. Oktober veröffentlichter, 53-seitiger Bericht ihrer Ausschussmitarbeiter bündelt Zeugenaussagen, FBI-Unterlagen und Akten aus dem Epstein-Komplex. Jamie Raskin, der ranghöchste Demokrat im Ausschuss, verlangt einen unabhängigen Sonderermittler. Trump bestreitet ein Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein; eine entsprechende strafrechtliche Anklage gegen ihn gibt es laut AFP bislang nicht.
Nach der Veröffentlichung der Ausschussdemokraten behandelt der Bericht Angaben und Unterlagen zu elf Frauen. Fünf beschuldigen Trump direkt der Vergewaltigung oder eines sexuellen Übergriffs in Epsteins Umfeld oder Anwesenheit. Weitere Aussagen betreffen den Verdacht, dass Epstein oder Ghislaine Maxwell Frauen für sexuelle Kontakte mit Trump vermitteln wollten. Nicht jede der elf Frauen wirft Trump also selbst einen Übergriff vor. Die meisten Berichte spielen zwischen 1992 und 1997 in New York und Palm Beach.
Zu den namentlich genannten Frauen gehören Beatrice Keul, Stacey Williams und Jill Harth. Keul schilderte den Mitarbeitern einen mutmaßlichen Übergriff bei einem Schönheitswettbewerb im New Yorker Plaza Hotel im November 1993, den sie als Vergewaltigung bezeichnet. Williams wirft Trump vor, sie in seinem Büro im Trump Tower begrapscht zu haben, während Epstein danebenstand. Harth hatte bereits 1997 in einer Klage sexuelle Übergriffe bei einer Zusammenkunft in Mar-a-Lago behauptet. Die Berichtverfasser sehen Gemeinsamkeiten bei Schauplätzen, beteiligten Personen und der Anwerbung junger Frauen über das Modelmilieu.
Der Bericht greift außerdem Trumps Darstellung seiner Beziehung zu Epstein an. Die Verfasser verweisen auf Flugunterlagen, die mindestens acht Reisen Trumps mit Epsteins Flugzeug in den 1990er-Jahren dokumentieren sollen. Auch die Behauptung, Trump habe Epstein aus Mar-a-Lago geworfen, stellen sie anhand einer Gesprächsnotiz von 2009 infrage. Diese Kontakte und Widersprüche sind Teil ihrer Argumentation für weitere Ermittlungen; sie belegen für sich allein keine Beteiligung an Sexualstraftaten.
Ein zweiter Schwerpunkt ist der Umgang des US-Justizministeriums mit den Akten. Die Demokraten werfen der Behörde und dem FBI vor, Ermittlungen eingestellt und Unterlagen zurückgehalten zu haben. Besonders kritisieren sie Todd Blanche, Trumps früheren persönlichen Anwalt und heutigen Justizminister. Bei seiner Befragung Maxwells im Juli 2025 habe er sie mehrfach davon abgehalten, über eine bestimmte Zeugin zu sprechen. Die Autoren werten dies als möglichen Versuch, Trump zu schützen.
Das Weiße Haus weist die Anschuldigungen zurück. Sprecherin Lauren Bis erklärte gegenüber dem Daily Beast, keiner der Vorwürfe sei wahr. Sie bezeichnete den Bericht als politisches Ablenkungsmanöver der Demokraten und verwies darauf, dass Trump das Gesetz zur Veröffentlichung der Epstein-Akten unterzeichnet habe.
Das Timing ist politisch brisant: Der Bericht erscheint nur acht Tage vor den Kongresswahlen am 3. November. Die Demokraten setzen das Epstein-Thema längst gezielt im Wahlkampf ein. Nach einer vom Washington Examiner aufgegriffenen AdImpact-Auswertung flossen rund 36 Millionen Dollar in entsprechende Werbung. Dahinter steht erkennbar die Hoffnung, dass die Affäre Trump und seine Partei Stimmen kostet oder republikanische Wähler von der Stimmabgabe abhält. Gewählt wird diesmal der Kongress, nicht der Präsident.
Der Streit über zurückgehaltene Akten dauert seit Monaten an. F-News berichtete bereits über Lücken und Schwärzungen bei der Veröffentlichung sowie über Vorwürfe zum früheren Umgang des Justizministeriums mit Epstein. Der neue Bericht verschärft die Forderung nach einer Untersuchung außerhalb der bisherigen Behördenführung. Raskin verlangt vollständige Unterlagen für den Kongress und Unterstützung für Staatsanwälte in US-Bundesstaaten und im Ausland, die gegen mögliche Epstein-Komplizen ermitteln.








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