Die Europäische Zentralbank hat UniCredit erlaubt, die Kontrolle über die Commerzbank zu erwerben. Die italienische Großbank darf damit die Schwelle von 30 Prozent überschreiten und ihren Anteil weiter erhöhen. Reuters berichtet über die Freigabe vom 15. Oktober. Für den Übernahmeplan ist das ein wichtiger Schritt, aber noch kein Vollzug.
UniCredit hatte mit ihrem Übernahmeangebot bis Anfang Juli weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien eingesammelt. Nach Übertragung dieser Papiere könnte sie nach Angaben der Commerzbank über knapp 50 Prozent der Stimmrechte verfügen. UniCredit rechnet damit, die Kontrolle noch in diesem Jahr zu erlangen. Zuvor müssen die ausstehenden Bedingungen und Verfahren abgeschlossen werden.
Vor allem die wettbewerbsrechtliche Prüfung der EU-Kommission läuft noch. Der Vorgang M.12405 ist dort weiterhin als offen geführt. Die EZB hat aus Sicht der Bankenaufsicht grünes Licht gegeben. Ob und unter welchen Auflagen die Fusion erfolgen darf, steht damit noch nicht fest. Eine Garantie für Standorte oder Arbeitsplätze enthält die Entscheidung ebenfalls nicht.
Für Deutschland geht es um mehr als ein Börsengeschäft. Die Commerzbank ist ein wichtiger Kreditgeber für mittelständische Unternehmen. Ihre eigene Führung hat sich gegen das feindliche Vorgehen von UniCredit gestellt und vor Folgen für Kunden und Beschäftigte gewarnt. Die Bundesregierung hält noch rund zwölf Prozent der Aktien und verlangt, dass Frankfurt als Standort sowie die Finanzierung deutscher Betriebe geschützt werden. Ob UniCredit solche Forderungen dauerhaft erfüllt, kann der Bund mit seinem Minderheitsanteil allein nicht erzwingen.
Gerade für Firmenkunden zählt, wer künftig über Kredite und Filialen entscheidet. F-NEWS hat bereits beschrieben, wie die Zinspolitik der EZB die Finanzierung von Betrieben verteuert. Zugleich wächst durch neue EU-Vorgaben der Prüfaufwand für Bankkunden. Wenn nun auch noch ein großer deutscher Kreditgeber unter fremde Konzernkontrolle gerät, ist die Frage nach Wettbewerb und Kreditversorgung keine nationale Empfindlichkeit, sondern handfeste Wirtschaftspolitik.
UniCredit-Chef Andrea Orcel will nach dem Kontrollerwerb Einfluss auf Aufsichtsrat und Führung der Commerzbank nehmen. Die Bank soll nach seinen Plänen erst später vollständig mit UniCredit verschmelzen. Der heutige EZB-Bescheid öffnet die Tür. Wie die neue Macht im Frankfurter Bankhaus genutzt wird, entscheidet sich erst nach den übrigen Freigaben.








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