Alex Voigt aus München war zum Start der neuen Tesla-Taxis, der Cybercabs, in Austin. Einen solchen Augenblick wollte sich der Tesla-Kenner offenbar nicht entgehen lassen. Tausende Kilometer von Deutschland entfernt stieg er in eines der futuristischen Taxis und ließ sich durch die Stadt kutschieren.
Ein Deutscher testet das Taxi ohne Fahrer
Wer eine Taxifahrt wünscht, holt sein Handy aus der Tasche und gibt in der Robotaxi-App die Zieladresse ein. Der eigene Standort wird automatisch erkannt. Wenige Minuten später rollt eine goldfarbene Sänfte leise heran und öffnet ihre Flügeltüren. Ein wenig erinnert das an den berühmten Mercedes 300 SL. Nur sitzt diesmal niemand am Steuer.
Beim Einsteigen könnte ein Münchner allerdings kurz glauben, die Amerikaner hätten am falschen Ende gespart. Dort, wo sonst das Lenkrad sitzt, ist nichts. Das fühlt sich ungefähr so an, als würde beim Maßkrug im Biergarten plötzlich der Henkel fehlen. Auch unten im Fußraum herrscht gähnende Leere. Wo Autofahrer Kupplung, Bremse und Gaspedal erwarten, ist einfach nichts. Man kann die Beine ausstrecken, wie es früher eigentlich nur der Beifahrer durfte.
Wer seit 50 Jahren Auto fährt, muss seinem eigenen Körper erst einmal erklären, dass er untenrum nichts mehr zu melden hat. Kommt während der Fahrt ein Auto vor einem zu nahe, will der rechte Fuß noch immer auf die Bremse treten. Nur gibt es hier keine. Das Cybercab bremst selbst.
Bei Tesla sitzen alle in der ersten Reihe
Das Fahrzeug heißt Cybercab. Dieses Zukunftstaxi kommt völlig ohne Fahrer aus. Rund 220 Pferde ziehen die Kutsche, aber in dem dem gelben Wagen hinter dem nicht vorhandenen Lenkrad sitzt heute kein Kutscher mehr.
Bei ARD und ZDF wurde behauptet, die Zuschauer säßen in der ersten Reihe. Im Cybercab tun es wirklich alle. Es gibt nur zwei Sitzplätze nebeneinander. Eine Rücksitzbank fehlt. Dafür ist der Kofferraum so groß, dass ein Ölfass hineinpasst. Beide Passagiere sitzen vorne, lehnen sich zurück und lassen sich kutschieren. Und dürfen sogar ein Nickerchen machen.
Fast fühlt man sich dabei an den Kinderwagen erinnert. Damals saßen wir ebenfalls vorne und sahen den Verkehr vor uns. Mutti schob und lenkte von hinten. Heute ist dort niemand mehr, das übernehmen die Technik und Heerscharen von Schutzengeln. Diese scheinen Musk zu lieben, denn Tesla meldet für den FSD-Modus bis zu siebenmal weniger Kollisionen, als wenn ein Fahrer selbst hinterm Lenkrad säße.
Aus dem Versuch wird langsam regulärer Verkehr.
Außerhalb von Austin fahren im Robotaxi-Netz vor allem umgebaute Model Y ohne Fahrer. Bezahlt wird über die App. Voigt beschrieb seine Fahrt als futuristisch. Dabei ist vielleicht gerade das Erstaunliche, wie schnell sich das Ungewöhnliche gewöhnlich anfühlt. Das Auto fährt leise, hält Abstand, blinkt, biegt ab und bringt seine Passagiere ans Ziel.
Wie vor hundert Jahren die Pferde vor den Kutschen, die ihre bierseligen Besitzer nachts vom Gasthof ganz automatisch nach Hause verfrachteten. Das Pferd kannte den Weg und trabte nach Hause.
Geplant: Schicken Sie Ihr Auto zum Geldverdienen auf Arbeit
Ein normales Privatauto führt ein beneidenswert ruhiges Leben. Morgens bringt es seinen Besitzer zur Arbeit. Danach steht es acht Stunden auf dem Parkplatz. Abends fährt es nach Hause und steht dort herum wie ein Gaul im Stall. Versicherung, Finanzierung und Wertverlust laufen trotzdem. Statistisch fährt ein Privatauto nur wenige Prozent des Tages.
Musk will daraus ein Geschäftsmodell machen. Geplant ist, dass künftig auch Privatleute und Unternehmen ihre Fahrzeuge der Tesla-Taxiflotte stundenweise überlassen können. Das Auto bringt Sie morgens ins Büro. Danach drücken Sie auf dem Handy einen Knopf und schicken die Kutsche selbst zum Geldverdienen los. Während Sie am Schreibtisch sitzen, fährt sie andere Fahrgäste durch die Stadt und verdient Geld.
Bleiben nach den Stromkosten nur 30 Euro am Tag übrig, sind das immerhin 900 Euro im Monat. Aus dem Faulpelz auf dem Parkplatz könnte damit ein freier Mitarbeiter werden.
Video von WELT.de








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