Fast jeder zweite befragte Moslem in Frankreich erwägt, das Land zu verlassen, falls Marine Le Pen 2027 Präsidentin wird. Das ergab eine Ifop-Umfrage für das Magazin „Marianne“. Le Pen reagierte in der Sendung „Objectif Élysée 2027“ mit einer Botschaft, die manchen ihrer Anhänger sauer aufstößt: Sie respektiere alle Franzosen, der Islam sei mit der Republik vereinbar und Muslime hätten von ihrer Präsidentschaft nichts zu befürchten.
Die Zahlen der Befragung sind deutlich: 46 Prozent der muslimischen Teilnehmer erklärten, sie könnten bei einem Wahlsieg Le Pens einen Wegzug erwägen. 20 Prozent gaben an, sie würden Frankreich dann sicher verlassen. In der Gesamtbevölkerung lag der Anteil derer, die einen Wegzug in Betracht ziehen, bei 21 Prozent. Die Online-Umfrage wurde vom 25. bis 30. September 2026 unter rund 9.700 Erwachsenen durchgeführt. Es geht um geäußerte Absichten in einem hypothetischen Szenario, nicht um bereits gefasste Ausreisepläne.
Le Pen setzt nun auf Beschwichtigung. Sie erklärte, der Islam sei mit der Republik vereinbar und die Betroffenen müssten sich vor ihr nicht fürchten. Zugleich will sie das Tragen des Kopftuchs im öffentlichen Raum schrittweise verbieten. Europe 1 berichtete über diese Ankündigung aus derselben Sendung. Wer einerseits eine zentrale religiöse Praxis aus dem öffentlichen Raum verbannen will und andererseits erklärt, der Islam sei mit der Republik vereinbar, betreibt eine politische Gratwanderung.
Auf X reagieren rechtskonservative Stimmen mit scharfer Kritik. Einige schreiben, sie hätten sich in Le Pen getäuscht. Der Beitrag des Publizisten Gad Saad steht beispielhaft für diese Enttäuschung: Statt die Umfrage als Warnsignal über die gesellschaftliche Lage zu lesen, sehen Kritiker in Le Pens Antwort den nächsten Schritt ihrer Mäßigungsstrategie.
Die Debatte zeigt, wie stark Le Pen um die Präsidentschaftsmehrheit wirbt. Ihre Anhänger erwarten eine klare Abgrenzung gegenüber dem politischen Islam und religiösen Machtansprüchen. Die Aussage, der Islam sei mit der Republik vereinbar, klingt für viele deshalb wie ein Rückzug von jener Konfrontation, mit der sie über Jahre Stimmen gewonnen hat. Ob rechts blinken und schon vor der Wahl links abbiegen wirklich zum Erfolg führt?








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