Merz hat Probleme mit Free Speech. Hätte er doch lieber Free Beer gefordert

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Friedrich Merz hat offensichtlich seine Probleme mit Free Speech. Am 15. September sagte er in der allerchristlichsten aller Parteizentralen: „Bitte komme mir keiner mit Free Speech.“ Von der Idee „Die Gedanken sind free“ hält er offenbar wenig.

Der Autor, der pflichtgemäß des Abends auf dem Sofa diese historische Äußerung zu Gehör bekam, befand sich, das muss ausdrücklich erwähnt werden, in einem Zustande, der weder durch Cognac, Bordeaux noch Schwarzwälder Kirschwasser getrübt war. Allein die Merzsche Aussage verleitete ihn nächtens, in die Tastatur zu klimpern.

Sich trauen die eigene Meinung zu sagen

Dabei ist Free Speech in Deutschland neuerdings erst dann so richtig möglich, wenn zuvor die Zunge gelockert wurde. Und dabei hilft seit Jahrhunderten ein bewährtes flüssiges Volksnahrungsmittel, das man nur in ausreichender Menge kostenlos unters Volk bringen müsste. Hätte Merz statt gegen Free Speech einfach Free Beer gefordert, würde seine Beliebtheit von heute auf morgen um 17,4 Prozent steigen.

Free Beer hätte den gewaltigen Vorteil, dass jeder Mann es wollte und tränke, schluckte, denn Free Beer ränne runter wie Öl. Und die so Abgefüllten lägen ob des Free Beer friedlich am Boden und rollten sich vor Lachen, gleich welches Dogma gerade die Lüfte erfüllte.

Förderung der Diskussionskultur

Damit würde zugleich die überparteiliche und interreligiöse Diskussionskultur nachhaltig gefördert. Wer so beseelt mit seinem Nachbarn, auch mit ganz neuen Nachbarn aus Übersee, tagaus, tagein schunkelte, wäre kaum noch in der Lage, sich wegen unterschiedlicher politischer oder ideologischer Auffassungen in die Haare zu geraten. Seine Zunge im Zaum zu halten gelänge leicht wie ein Kinderspiel, die Wangenmuskeln wären mit Dauerlächeln beschäftigt.

Rosarote Brille

Mit permanent 1,75 Promille im Blut sähe die Welt ohnehin gleich rosarot aus. Der Bürger könnte die Fehlentscheidungen in Berlin gar nicht mehr richtig wahrnehmen, egal, was die Tagesschau in der Tonlage eines Hohepriesters predigte. Letztendlich würde auch die Gesundheit nachhaltig gefördert. In diesem traumähnlichen permanenten Glückszustand nähmen wir viele andere Wehwehchen, deretwegen heute noch die Krankenkassen belastet werden, gar nicht mehr wahr.

Dann bekäme sogar die GEZ endlich einen Sinn. Dem auf dem Sofa vor sich hin dämmernden Bürger würde ein gewisses Maß an historisch gewachsener deutscher Leit- und Medienkultur geboten, mit Gesang und Klavierkonzerten, Hart aber Unfair und Micky Maus.

Auch kalkulatorisch macht Free Beer Sinn

Auch kalkulatorisch machte es, genau wie steuerlich, Sinn. Gingen wir von 54 Millionen Erwachsenen aus, die täglich zwei Liter Free Beer bekämen, so belastete dies den Staatshaushalt mit 54 Millionen mal zwei Liter mal 84,4 Cent mal 365 Tage. Das wären jährlich nur 33,27 Milliarden Euro. Wozu noch Brücken reparieren, wenn niemand mehr hoch zu Pferd, mit Lastenfahrrad, Verbrenner oder 2-Tonnen-Batterie unterwegs sein müsste.

Geliefert würde das Bier natürlich vom Staatlichen Hofbräuhaus in München. Es gehört dem Freistaat Bayern. Damit käme das Free Beer praktisch aus volkseigenem Betrieb und wäre schon von der Herkunft her sozial verträglich. Bierverteilstellen würden im Eingangsbereich der Finanzämter und Rathäuser eingerichtet, eine App auf dem Handy sicherte unsere demokratische Zuteilung, Lebensmittelkarten entfielen völlig.

Keine Angst vor Free Speech

Free Speech würde damit irgendwann und ohnehin unmöglich. Wer so beseelt mit seinem Nachbarn tagaus, tagein schunkelte, wäre kaum noch in der Lage, seine Gedanken klar und free zu formulieren, schon gar nicht verfassungsschutzkonform. Der Aufwand zur Überwachung der Free Speech Sprechern sänke auf ein vorsintflutliches Niveau.

Auch die seit Jahrhunderten bekannte Friedfertigkeit der deutschen Militärs würde erneut unter Beweis gestellt. Die so beglückten, in Uniform Gewandeten, wären gar nicht mehr in der Lage, Haubitzen, Drohnen oder Schießgewehre überhaupt in Gebrauch zu nehmen. Auch die Kosten der Rüstungsindustrie sänken auf null, weil die Fachkräfte diese Präzisionswaffen mit der Schieblehre gar nicht mehr herzustellen in der Lage wären.

Benzinpreise würden einfach verschwimmen

Die Benzinpreise würden sehenden Auges nicht mehr wahrgenommen werden können, da die vielen Nullen auf den Anzeigetafeln verschwömmen und deretwegen auch das sichere unfall-free Lenken zum Arbeitsplatz ausfiele.

U-Bahnen, Busse und ICE stünden still, weil die staatliche Alimentierung der Triebwagenfahrzeugführer mit Free Beer alle, d. h. die schon lange hier Lebenden, grundsätzlich so beglückte, dass weitere Streiks unnötig erschienen.

Fritz der Dritte und Große

Der Merzsche Plan, Free Speech durch Free Beer zu ersetzen, könnte nur als historische Glanztat bezeichnet werden, die manches eiserne Denk- und Dankmal zu seinem Glanze auf deutschen Marktplätzen rechtfertigte. Da in Free Beer bekanntlich auch „veritas“ weilt, formte sich ein ewiger Bund mit Fritz, dem Dritten und Großen. Von himmlischen Gefilden, free von Sorgen, sprich Sanssouci, winkte er huldvoll seinem Volke zu.

Merz’ Probleme mit Free Speech wären diplomatisch gelöst, genau wie alle von ihm verursachten Probleme der Vergessenheit anheimfielen. Der staatlich geförderte Schlaf ist eben durch nichts zu ersetzen.

Denn Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Seit 1806. So ist allen gedient.

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