Die Luzerner SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri macht gegen die Ernährungsinitiative mobil. In einem am 10. September veröffentlichten Editorial der SVP fordert sie ein Nein zur Vorlage, die ihre Partei „Vegan-Initiative“ nennt. Ihr Kernsatz lautet: „Ich bestimme selbst, was auf meinem Teller landet!“ Die Schweiz stimmt am 27. September darüber ab.
Thalmann-Bieri sieht in der Vorlage einen Angriff auf die persönliche Entscheidungsfreiheit. Essgewohnheiten seien von Tradition, Kultur, gesundheitlichen Bedürfnissen und Geschmack geprägt. Zugleich verteidigt sie die Schweizer Milch- und Fleischwirtschaft. Wer diese schwäche, gefährde nach ihrer Einschätzung die regionale Versorgung und fördere die Abhängigkeit von importierten, hochverarbeiteten Ersatzprodukten. Das ist ihre politische Warnung vor den Folgen der Initiative.
Der konkrete Auftrag geht über eine Empfehlung zum Gemüseessen hinaus. Laut den Abstimmungsinformationen des Bundes soll die Schweiz innerhalb von zehn Jahren mindestens 70 Prozent ihrer konsumierten Lebensmittel selbst produzieren. Dafür sollen weniger tierische und mehr pflanzliche Lebensmittel hergestellt werden. Hinzu kommen Vorgaben zum Schutz von Trinkwasser, Böden und Biodiversität sowie ein geringerer Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. F-NEWS hat die Ernährungsinitiative und ihren staatlichen Lenkungsauftrag bereits aufgegriffen.
Ein ausdrückliches Fleischverbot sieht die Vorlage nicht vor. Das Initiativkomitee weist den Vorwurf eines staatlichen Menüplans zurück und wirbt mit besserer Selbstversorgung und sauberem Trinkwasser. Bundesrat und Parlament empfehlen dennoch die Ablehnung. Ihre Begründung ist deutlich: Die Ziele seien in zehn Jahren kaum erreichbar; ihre Umsetzung verlange massive Eingriffe in Produktion und Ernährungsgewohnheiten und schränke die Wahlfreiheit ein.
Damit liegt der Streitpunkt offen auf dem Tisch. Eine pflanzliche Mahlzeit braucht keinen Verfassungsauftrag. Eine politisch gesteuerte Umstellung von Landwirtschaft und Konsum dagegen betrifft auch jene, die anders einkaufen und essen wollen. Dass Verbraucher eigene Prioritäten setzen, zeigt der von F-NEWS berichtete Rückgang der deutschen Fleischersatzproduktion. Daraus lässt sich kein Schweizer Abstimmungsergebnis ableiten, wohl aber eine Grenze politischer Wunschbilder.
Thalmann-Bieri setzt deshalb auf ein einfaches Freiheitsargument: Wer vegan leben möchte, soll das tun können. Dieselbe Freiheit steht auch allen anderen zu. Versorgungssicherheit ist ein berechtigtes Ziel. Sie sollte den Bürgern mehr Verlässlichkeit geben, nicht der Politik mehr Zugriff auf ihren Speiseplan.








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