Ölkrise droht: Saudis drehen Pipeline ab

|

|

·

Saudi-Arabien hat seine strategisch wichtigste Ausweichroute für Ölexporte abgeschaltet. Nach mehreren Angriffen auf die Ost-West-Pipeline in den Regionen Riad und Medina wurde der Betrieb nach Angaben des saudischen Energieministeriums vorsorglich eingestellt. Mehrere Menschen wurden verletzt. Wann die Leitung wieder freigegeben wird, ist offen.

Die Abschaltung trifft den Weltmarkt in einer Lage, in der diese Pipeline längst keine gewöhnliche Transportstrecke mehr ist. Seit die Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges weitgehend blockiert ist, leitet Saudi-Arabien große Mengen Rohöl quer durch das Land zum Rotmeerhafen Yanbu. Die Leitung war der Notausgang des Königreichs. Jetzt ist auch dieser Ausgang vorerst zu.

Die sogenannte Petroline verbindet die Förder- und Verarbeitungsanlagen im Osten Saudi-Arabiens mit der Westküste. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA verfügt sie über eine Kapazität von bis zu sieben Millionen Barrel pro Tag. Rund fünf Millionen Barrel davon stehen für den Export zur Verfügung. Genau diese Menge konnte an Hormus vorbeigeführt werden. Fällt die Verbindung länger aus, lässt sich das nicht mit ein paar zusätzlichen Tankern auffangen.

Saudi-Arabien macht Drohnen verantwortlich, die aus dem Irak gestartet worden seien. Die irakische Regierung bestätigte am Samstag, dass die Angriffe von ihrem Staatsgebiet ausgingen, und kündigte Ermittlungen an. US-Präsident Donald Trump erklärte, wahrscheinlich stehe Iran dahinter. Beweise für eine direkte iranische Steuerung wurden bislang nicht öffentlich vorgelegt. Riad verzichtete zunächst auf einen Gegenschlag und will Bagdad Gelegenheit zum Handeln geben.

Gleichzeitig verschärft sich die Lage am anderen Ende der Pipeline. Die mit Iran verbündeten Huthi haben im Jemen Gelände am Bab al-Mandab gewonnen und bedrohen damit die südliche Zufahrt zum Roten Meer. Saudi-Arabien sitzt zwischen zwei blockierten Nadelöhren: Im Osten ist Hormus kaum passierbar, im Westen geraten die Schifffahrtswege unter Druck, und nun fällt auch noch die wichtigste Landverbindung zwischen beiden Küsten aus.

Schon vor dem neuen Angriff waren die Reserven unter Druck. Die EIA ging im August davon aus, dass die weltweiten Ölvorräte im dritten Quartal im Durchschnitt um 3,8 Millionen Barrel täglich sinken und Brent-Öl im Mittel bei rund 85 Dollar liegen könnte. Diese Prognose setzte voraus, dass Saudi-Arabien weiterhin Öl über die Ost-West-Pipeline nach Yanbu umleiten kann. Genau diese Voraussetzung ist nun zumindest vorübergehend weggefallen.

Für Deutschland führt der Weg von der saudischen Wüste direkt zur Tankstelle und zur Heizkostenabrechnung. F-NEWS hatte bereits nach der Sperrung der Straße von Hormus vor dem nächsten Preisschock gewarnt. Wenige Tage später zeigten die ersten Marktreaktionen, wie schnell die Hormus-Eskalation Benzin und Heizöl verteuert.

Noch ist die Pipeline offiziell aus Vorsicht abgeschaltet und nicht dauerhaft zerstört. Doch jeder weitere Tag erhöht den Druck. Wenn Hormus blockiert bleibt, die Huthi den Zugang zum Roten Meer bedrohen und die saudische Ausweichpipeline stillsteht, wird aus einer regionalen Eskalation eine weltweite Versorgungsfrage. Über den Preis entscheiden jetzt nicht Förderquoten und Konjunkturprognosen, sondern Drohnen, Reparaturtrupps und die Frage, welche Route überhaupt noch offen ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir brauchen Ihre Unterstützung

Jeder Beitrag hilft - vielen lieben Dank!

Weiterlesen