Nur zwei Wochen nach dem Schulstart hat Wien bereits 55 Kopftuch-Fälle an die Bildungsdirektion weitergereicht. Das berichtet die Kronen Zeitung. Gemeint sind Mädchen unter 14 Jahren, bei denen Gespräche mit Lehrern und Schulleitung nicht zum Ablegen des Tuchs geführt haben. Ende der Woche beginnen die Behördentermine. Verhandelt werde dort nicht, betont die Direktion: Den Eltern werde „ganz nüchtern“ die Gesetzeslage erklärt. Wer danach weiter verhüllt in die Klasse kommt, landet beim Bezirksamt und im Verwaltungsstrafverfahren. Strafen von 150 bis 800 Euro, im Ernstfall sogar Ersatzhaft, stehen im Gesetz. Ob das Papier den Alltag in Wiener Pflichtschulen ändert, ist eine andere Frage.
Offiziell gilt das Verbot seit 1. September für Schülerinnen bis zum 14. Geburtstag in öffentlichen und privaten Schulen. Offiziell soll es Mädchen vor patriarchalem Druck schützen. Offiziell rechnet die Behörde sogar mit einem „vorläufigen Plateau“. Die Praxis sieht weniger glatt aus. Schon vor Schulbeginn hatten islamische Vereine angekündigt, Strafen für Eltern zu übernehmen. Gleichzeitig berichten Lehrer aus Wien von uneinsichtigen Eltern, Drohungen und einzelnen Standorten, an denen auffällig viele Verstöße zusammenkommen. Niederösterreich spricht von rund zehn Fällen, die Steiermark von zwei am ersten Tag. Wien ist das eigentliche Labor: Hier sitzen die Zahlen, hier sitzt der Widerstand, hier wird sichtbar, dass ein Gesetz allein keine Integrationslage umkehrt.
Die Bildungsdirektion warnt davor, alle Fälle als radikalen Elternhäusern geschuldet zu betrachten. Manche ältere Mädchen wollten das Tuch angeblich selbst behalten, selbst wenn die Eltern nachgäben. Das macht die Sache nicht harmloser. Es zeigt nur, dass der Konflikt nicht bloß zwischen Staat und Familie verläuft, sondern mitten in den Köpfen der betroffenen Schülerinnen. Wer Integration jahrelang als freiwilliges Angebot behandelt hat, darf sich nicht wundern, wenn ein Verbot jetzt als Zumutung gilt. Das Integrationsbarometer hat denselben Befund längst in Umfragezahlen gegossen: Zwei Drittel der Österreicher sehen das Zusammenleben mit Muslimen als gescheitert. Eine Schule, die Parallelregeln duldet, bestätigt das Bild.
Dass Wien zugleich Jugendkriminalität mit Sondereinsätzen bekämpfen muss, während syrische Tatverdächtige im Kindesalter binnen weniger Jahre explodieren, gehört in denselben Zusammenhang. F-News hat das anhand der Wiener Schwerpunktaktionen bereits dokumentiert. Das Kopftuch ist nicht das einzige Symbol. Es ist aber das sichtbarste: der Staat erklärt eine Regel, die Schule darf sie nicht durchsetzen, die Behörde darf reden, das Bezirksamt darf strafen – und am Ende entscheidet, wer den Alltag in der Klasse bestimmt. 55 Akten nach zwei Wochen sind kein Betriebsunfall. Sie sind die erste ehrliche Inventur.








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