Mich hat dieser Satz tief berührt. Papst Leo XIV. rief ihn am 25. September 2026 rund 80.000 Jugendlichen zu. Das Stade de France, das Nationalstadion von Saint-Denis bei Paris, war der erste Abend seiner Frankreichreise. Eingeladen waren junge Menschen zwischen 17 und 35 Jahren aus dem ganzen Land. Die Anmeldung begann am 10. August um zwölf Uhr mittags. Binnen einer Stunde, teils schon nach wenigen Minuten, waren die Plätze vergeben.
Dieser Teil hat mich mehr als beeindruckt und mein katholisches Verständnis auf die Probe gestellt. In seiner Beantwortung einer Frage einer Teilnehmerin sagte Papst Leo:
Merci à Dieu
(Danke Gott),
merci à vous
(danke euch).
Merci pour votre courage
(danke für euren Mut),
merci pour votre présence
(danke für eure Anwesenheit),
merci pour votre foi
(danke für euren Glauben).
Vous êtes les saints de France.
(Ihr seid die Heiligen Frankreichs.)
«Ihr seid die Heiligen.» Da stolperte ich innerlich. Heilige? 80.000 junge Menschen, von denen der Papst die allermeisten niemals gesehen hatte? In meinem katholischen Verständnis wird man nicht eben im Stade de France zum Heiligen erklärt. Den Titel vergibt die Kirche sonst äußerst sparsam, nach langer Prüfung – und gewöhnlich hat der Betreffende den Vorteil, bereits tot zu sein.
Und dennoch liegt gerade darin vielleicht die Kraft dieses Satzes. Leo wartete nicht darauf, dass diese jungen Menschen irgendwann bewiesen haben, was in ihnen steckt. Er sprach ihnen etwas zu, bevor sie es vorweisen konnten. Kind Gottes zu sein, klingt vertraut, manchmal beinahe fern. «Ihr seid die Heiligen Frankreichs» trifft anders. Plötzlich steht da nicht nur eine Glaubenslehre, sondern eine persönliche Anerkennung.
Denn wer vom Papst gesagt bekommt, er gehöre zu den Heiligen Frankreichs, hört darin nicht nur ein Lob. Vielleicht hört er aber auch einen Auftrag. Wer sich plötzlich in einer Reihe mit Jeanne d’Arc, Thérèse von Lisieux oder Blandina von Lyon wiederfindet, könnte am nächsten Morgen ein wenig anders auf sich selbst schauen. Eine solche Anerkennung kann einen Menschen erheben. Und vielleicht wirkt sie sogar vorbeugend: Man benimmt sich womöglich anders, wenn einem gerade eine Krone aufgesetzt wurde.
Ihr seid die Heiligen Frankreichs. Die Gesichter, welche die Kamera in diesem Augenblick einfing, gingen mir durch Mark und Bein.
Der Abend selbst hatte die Heiligen Frankreichs zuvor als Geschichte vorgeführt. Nach Musik, Einzug in der Papamobile und dem Ruf «Léon! Léon!» begrüßte Bischof Étienne Guillet von Saint-Denis den Papst. Dann kam das Schauspiel «Dans les pas des Saints»: Jeanne d’Arc zu Pferd, Blandina vor den römischen Soldaten, Martin von Tours, König Ludwig, Vinzenz von Paul, Thérèse, Charles de Foucauld. Danach Feuerwerk.
Später, in der Meditation vor Tunika und Kreuz, wurde klar, dass Leo keine billige Heiligsprechung für einen schönen Abend verteilt hatte. Meidet das Böse, strebt nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Geduld und Sanftmut, kämpft – aber nicht gegen Menschen. Unsere einzige Waffe ist die Liebe, die sich verschenkt. Die Heiligen, sagte er, seien Verbündete in der Prüfung. Im Gebet und in der Kirche sei man niemals allein.
Damit bekam der Satz vom Anfang sein Gewicht. Erst die Krone, dann die Frage, ob man sie tragen kann.
Ob dieser stille Augenblick nur berührt oder wirklich verwandelt, entscheidet sich nicht im Stadion. Er entscheidet sich danach, wenn das Licht erlischt, die Reliquien wieder fortgetragen sind und jeder mit sich allein bleibt – und prüfen muss, ob die zugesprochene Krone getragen oder nur für einen Abend aufgesetzt wurde.







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