Revolut will Ihr Gesicht an der Kaffeetheke

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Ein Kaffee für ein Pfund und dreifache Bonuspunkte. Mit diesem Lockangebot bringt Revolut seine Gesichtszahlung in drei Londoner Cafés. Wer bei „Pay with Smile“ mitmacht, braucht weder Karte noch Mobiltelefon. Ein Blick in die Kamera des Zahlungsterminals soll genügen.

Der bis zum 26. September laufende Versuch findet in drei Filialen der Kette Kiss the Hippo statt. Die Kunden melden sich in der Revolut-App an und stimmen der Verarbeitung ihrer biometrischen Daten zu. An der Kasse wird ihr Gesicht fotografiert und mit dem Selfie verglichen, das Revolut bereits bei der Kontoeröffnung erhalten hat. Das Unternehmen verkauft die Technik als bequemen Fortschritt mit Sicherheit auf Bankniveau. Für Händler ist das System mit null Prozent Bearbeitungsgebühr ausgesprochen attraktiv.

Was wie eine harmlose Spielerei beim Kaffeekauf aussieht, macht das Gesicht zum Zahlungsmittel. Die dazugehörige Datenschutzerklärung von Revolut zeigt, wie viel dabei anfällt. Das Terminal erstellt ein Foto, wandelt es für den Abgleich in eine biometrische Vorlage um und lädt eine geschützte Kopie des Transaktionsfotos in die interne Cloud des Unternehmens.

Revolut erklärt zwar, die einmalig verwendeten Gesichtsdaten würden nach der Prüfung gelöscht. Das ursprüngliche Foto der Zahlung kann jedoch nach den allgemeinen Aufbewahrungsregeln gespeichert bleiben. Selbst das Einfrieren der Funktion beendet nur weitere Gesichtszahlungen. Die bereits angefallenen Daten bleiben erhalten. Wer seine Einwilligung widerruft, erreicht laut Erklärung die Löschung der biometrischen Vorlage. Eine ebenso klare Zusage für sämtliche Transaktionsbilder fehlt.

Hinzu kommt, dass Revolut nicht jede Verarbeitung allein auf die Einwilligung des Kunden stützt. Für Betrugsabwehr, Streitfälle, Sicherheit, Fehleranalyse und Forschung beruft sich der Konzern auch auf eigene berechtigte Interessen. Aus dem schnellen Blick in die Kamera wird damit eine neue Datenspur, deren weitere Verwendung der Kunde kaum überblicken kann.

Die zeitliche Nähe zu einem schweren Datenschutzvorfall macht den Versuch besonders dreist. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Revolut auf eine gefälschte Behördenanfrage hereinfiel. Dabei gelangten unter anderem Namen, Adressen, Ausweisdaten, Transaktionsverläufe und Selfies aus der Kundenprüfung an Unbekannte. F-News berichtete darüber im Beitrag „Gefälschte Behördenanfrage: Revolut gibt KYC- und Bitcoin-Daten an Unbekannte weiter“.

Nun soll ausgerechnet dasselbe Gesicht, das bereits Teil des abgeflossenen Materials war, zur alltäglichen Zahlungskennung werden. Revolut betont, dass die Cafés selbst keine persönlichen Daten speichern. Das beruhigt wenig, denn die entscheidende Sammlung liegt beim Finanzkonzern.

Der Bericht von Reclaim The Net legt den Kern des Geschäfts offen. Revolut will nicht nur Zahlungen abwickeln, sondern eine Infrastruktur schaffen, in der der Körper selbst zum Zugangsschlüssel wird. Das Unternehmen spricht in seiner Ankündigung bereits von einer neuen Einnahmequelle.

Heute ist es ein freiwilliger Versuch mit billigem Kaffee. Morgen könnte der Gesichtsscan an weiteren Kassen stehen und der normale Einkauf eine weitere Gelegenheit zur biometrischen Erfassung werden. Bequemlichkeit ist hier das Verkaufsargument. Bezahlt wird mit einer Identität, die sich nach einem Datenleck nicht austauschen lässt.

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