Jetzt bestätigt es die spanische Regierung selbst: Der Geheimdienst CNI warnte die Behörden in Ceuta einen Tag vor dem Massenansturm Ende Juli vor Aufrufen zu einem Grenzübertritt über Zaun und Meer. Madrid hat die entsprechenden Nachrichten am 9. September auf dem offiziellen Regierungsportal veröffentlicht. Darin werden der Folgetag, eine konkrete Uhrzeit und die enorme Reichweite der Mobilisierung in sozialen Netzwerken genannt.
Am 29. Juli um 13:52 Uhr schrieb ein CNI-Mitarbeiter per WhatsApp an das Büro der Regierungsvertretung in Ceuta. In Netzwerken werde für den nächsten Tag um 20 Uhr zu einem Ansturm aufgerufen. Zwei Gruppen hätten zusammen 180.000 Follower. Die Aufrufe setzten darauf, dass marokkanische Sicherheitskräfte wegen des Thronfestes beschäftigt seien. Die Followerzahl beschreibt die Reichweite der Gruppen, nicht die Zahl tatsächlich anreisender Menschen.
Auch die Guardia Civil erhielt am selben Nachmittag einen Hinweis auf angekündigte Schwimmversuche und das Überwinden des Grenzzauns. Um 18:26 Uhr ging zudem eine dringliche CNI-Notiz an die marokkanischen Nachrichtendienste DGST und DGED. Die jetzt freigegebene Sammlung umfasst insgesamt 40 Dokumente und Mitteilungen verschiedener Sicherheitsbehörden.
Die Regierung bestätigt damit die Warnung, versucht ihre Bedeutung aber einzugrenzen: Der CNI habe keinen formellen Alarm vor einer Massenankunft des späteren Ausmaßes ausgelöst. Wie RTVE berichtet, räumten CNI-Quellen ein, Art und Größenordnung der Ereignisse vom 30. Juli nicht vorausgesehen zu haben. Aus Regierungskreisen hieß es, wer eine solche Lage erwarte, müsse die Information auf höherer Ebene weitergeben und dürfe es nicht bei einer WhatsApp-Nachricht belassen. Bestätigt bleibt dennoch, dass die zuständigen Stellen vor dem entscheidenden Tag über einen konkreten Aufruf informiert waren.
Doch die Akten enthalten weitere Warnzeichen. Das nationale Einwanderungs- und Grenzzentrum CENIF bewertete das Risiko von Einreisen schwimmender Migranten am 29. Juli intern als sehr hoch. Damit verschiebt sich die politische Verantwortung auf die entscheidende Ebene: Welche Maßnahmen folgten aus den vorhandenen Hinweisen, wer bewertete sie und warum reichten die Vorkehrungen nicht aus? Eine fehlende Prognose der genauen Menschenzahl macht eine konkrete Warnung nicht bedeutungslos.
F-NEWS berichtete bereits über Sánchez’ Vorwürfe gegen Netzwerke mit Russland- und Israel-Bezug sowie über den später von Marokko gestoppten Ansturm Mitte August. Die veröffentlichten Nachrichten belegen für sich weder eine ausländische Steuerung noch ein absichtliches Wegsehen der spanischen Regierung. Sie belegen aber, dass zuständige Stellen vorab konkrete Informationen hatten. Madrid muss erklären, was daraus wurde. Der Streit darüber, ob eine Warnung das richtige Etikett trug, schützt keine Grenze.








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