Suizide unter Landwirten: Was Studien über Zahlen und Ursachen zeigen

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Eine am 31. August 2026 veröffentlichte Studie im Bundesgesundheitsblatt zeigt eine erhöhte Suizidrate in landwirtschaftlichen und verwandten Berufen in Bayern. Das Team um Christian Hetzel wertete Polizeidaten für 2017 bis 2024 aus. Erfasst wurden 463 Suizide, durchschnittlich rund 58 im Jahr. Die Berufsgruppe umfasst neben Landwirten auch Beschäftigte aus Tierzucht, Gartenbau, Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei.

BILD greift die Untersuchung erst am 25. Oktober mit der Sensationsschlagzeile „Schock-Studie aus Bayern: Jede Woche nimmt sich ein Bauer das Leben“ auf. Die Studie erschien bereits am 31. August, acht Wochen zuvor. Im Text schreibt BILD dennoch, sie sei „jetzt“ veröffentlicht worden. Auch die Überschrift verkürzt den Befund: Die Todesfälle betreffen mehrere grüne Berufe, nicht ausschließlich Bauern. Der Wochendurchschnitt stammt zudem aus den Jahren 2017 bis 2024 und beschreibt keine neu gemessene Entwicklung im Herbst 2026.

Für Männer zwischen 18 und 59 Jahren, die Gruppe mit der verlässlichsten Datengrundlage, schätzten die Forscher jährlich 59,9 Suizide je 100.000 Personen. Bei gleichaltrigen Männern der übrigen Bevölkerung waren es 17,5. Das entspricht einer 3,4-fachen Rate. Über alle untersuchten Altersgruppen und Geschlechter lag die Schätzung bei 82,0 gegenüber 13,5 je 100.000 Personen.

Die Zahlen gelten für Bayern. Wie hoch die Rate genau liegt, ist unsicher, weil Polizei und Krankenkasse die Berufsgruppe unterschiedlich erfassen. Die Forscher prüften deshalb mehrere Berechnungswege. Auch dabei lag die Suizidrate mindestens 50 Prozent über der Vergleichsgruppe. Warum sich die Betroffenen das Leben nahmen, lässt sich aus den Daten nicht ablesen.

Bundesweite Zahlen fehlen weiterhin. In einer Antwort auf eine AfD-Anfrage erklärte die Bundesregierung im August 2026, die Todesursachenstatistik unterscheide bei Suiziden nicht nach Berufsgruppen. Aus den bayerischen Ergebnissen lässt sich deshalb keine jährliche Zahl für ganz Deutschland ableiten.

International weist die Forschung in dieselbe Richtung. Eine Metaanalyse von 2018 bündelte 32 Studien zu Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei. Der zusammengefasste Risikowert lag um rund 48 Prozent über dem der jeweiligen Vergleichsgruppen. Die Studien unterschieden sich allerdings nach Ländern, Berufsabgrenzung und Berechnungsmethode.

Hinweise auf Belastungsfaktoren liefert eine österreichische Studie von 2025. In Onlinebefragungen von Oktober 2024 bis Februar 2025 wurden 2.006 Landwirte und eine Vergleichsgruppe von 2.007 Personen untersucht. Die Forscher berichteten bei 19,7 Prozent der Landwirte Suizidgedanken, gegenüber 14,3 Prozent in der Vergleichsgruppe. Das sind Befragungswerte zu Gedanken, keine Suizidraten.

Finanzielle Schwierigkeiten und lange landwirtschaftliche Arbeitszeiten standen in dieser Untersuchung mit erhöhter Suizidalität in Zusammenhang. Eine Partnerschaft und körperliche Aktivität außerhalb der Arbeit waren mit niedrigeren Werten verbunden. Die Befragung zeigt statistische Zusammenhänge, keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Zudem waren ältere Landwirte sowie kleine und nebenberuflich geführte Betriebe unterrepräsentiert.

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau nennt außerdem Generationenkonflikte bei der Hofübergabe, mangelnde gesellschaftliche Anerkennung, schwankende Erzeugerpreise und fehlende Planungssicherheit bei Investitionen als Belastungen. Über die Debatte um die künftige Agrarfinanzierung hat F-News bereits berichtet; einen ursächlichen Zusammenhang mit einzelnen Suiziden belegen diese politischen Konflikte nicht.

Zur Unterstützung bietet die SVLFG individuelle Beratung und Seminare zur Betriebsübergabe an. F-News berichtete außerdem über Ansprechpartner zur Suizidprävention in Baden-Württemberg. Solche Angebote sollen Belastungen früh erkennen und den Zugang zu Hilfe erleichtern.

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