Der Iran kann einen handfesten Erfolg gegen einen US-Digitalkonzern vermelden: Amazons Cloud-Infrastruktur in Bahrain ist nach eigenen Angaben des Unternehmens nicht mehr zu retten. Wie heise online berichtet, hat Amazon Web Services (AWS) am Dienstag in einem Update seiner Verfügbarkeitsberichte eingeräumt, dass sämtliche drei Rechenzentren des Konzerns in Bahrain sowie eines von drei Standorten in den Vereinigten Arabischen Emiraten unwiederbringlich zerstört sind. Amazon stellt demnach seine Bemühungen ein, Daten wiederherzustellen, die ausschließlich in den betroffenen Anlagen gespeichert waren – betroffene Kunden werden schlicht auf ihre eigenen Backups verwiesen.
Konkret trifft es die drei bahrainischen Availability Zones mes1-az1, mes1-az2 und mes1-az3. In den Emiraten will der Konzern zumindest den Wiederaufbau der zerstörten Anlage angehen, Details dazu soll es aber erst in einigen Monaten geben. Wie es in Bahrain weitergeht, lässt Amazon offen – eine Stellungnahme dazu ist frühestens für kommendes Jahr angekündigt. Ein Konzern, der sonst mit jeder Serverauslastung wirbt, hüllt sich beim Totalausfall einer ganzen Region in Schweigen.
Vom Drohnenangriff zum Marschflugkörper
Die Vorgeschichte reicht bis in den Frühling zurück. Bereits Anfang März waren AWS-Standorte in Bahrain und den Emiraten durch Drohnen beschädigt worden, mit der Folge, dass zahlreiche Apps und Onlinedienste zeitweise ausfielen. Amazon riet Kunden damals zum Wechsel der Region, seit Ende März gilt AWS Bahrain als unterbrochen. Die eigentliche Eskalation folgte, nachdem die USA und Israel Ende Februar ihren Krieg gegen den Iran begonnen hatten – Teheran revanchierte sich mit gezielten Angriffen auf US-Infrastruktur in der Golfregion.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) reklamierten für sich, die „zentrale Dateninfrastruktur“ von Amazon in Bahrain mit mehreren Marschflugkörpern angegriffen und zerstört zu haben. Satellitenaufnahmen des europäischen Sentinel-2-Systems stützten diese Darstellung später, sie zeigten Schäden an Anlagen in Zallaq und Askar. Ein im Juni vereinbarter Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran zerfiel bereits Anfang Juli wieder, nachdem der Iran drei Schiffe in omanischen Gewässern angegriffen haben soll – seither eskaliert der Schlagabtausch weiter, inklusive amerikanischer Opfer in Jordanien.
Dass ausgerechnet ein Cloud-Riese wie Amazon zum Ziel wird, ist kein Zufall: Die IRGC hat unverhohlen mit weiteren Angriffen auf US-Technologiekonzerne in der Region gedroht, genannt wurden unter anderem Nvidia, Apple, Microsoft, Google und das milliardenschwere Stargate-Rechenzentrum von OpenAI in Dubai. Wer glaubt, digitale Infrastruktur sei in bewaffneten Konflikten tabu, wird derzeit eines Besseren belehrt.
Für Amazon ist der Vorfall mehr als nur ein Imageschaden. AWS erwirtschaftete 2025 zwar nur 18 Prozent des Konzernumsatzes, aber mehr als die Hälfte des gesamten Betriebsgewinns – nur das Werbegeschäft kommt annähernd an diese Größenordnung heran. Ein dauerhafter Ausfall ganzer Regionen trifft damit den profitabelsten Unternehmensbereich direkt, während Amazon nach außen weiterhin von „Kontinuität“ und „Migration auf andere Standorte“ spricht, als handle es sich um eine Routineübung.
Quellen:
- heise online: „Iran-Krieg: Alle AWS-Daten in Bahrain sind zerstört“
- heise online: „Neue Eskalation im Nahen Osten: Iran hat AWS-Infrastruktur in Bahrain ‚zerstört’“
- Berliner Zeitung: „Iran-Krieg: Amazon-Rechenzentren in Bahrain getroffen – Satellitenbilder zeigen Schäden“
- Tom’s Hardware: „Amazon data center in Bahrain struck and destroyed by Iranian cruise missiles, state media claims“








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