Diese Jobs kommen nie wieder: Zukunftsforscher Mićić sagt das Ende des Angestelltenzeitalters voraus

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Die Ansage ist so nüchtern wie brutal: „Für rund die Hälfte der Menschen ist im Horizont von zehn Jahren die abhängige Beschäftigung keine Quelle des Einkommens mehr.“ Das sagt der Zukunftsforscher Pero Mićić in einem Gesprächsausschnitt, den der YouTube-Kanal Everlast AI Clips unter dem Titel „Diese Jobs kommen NIE wieder: DAS musst du jetzt tun!“ veröffentlicht hat. Im Clip wird er nur mit Vornamen angesprochen. Mićić ist regelmäßig Gast im VORSPRUNG-Podcast von Everlast-Gründer Leonard Schmedding und hatte dort schon ausführlich über eine Wirtschaft nach der Erwerbsarbeit gesprochen. Er liefert hier keine Beruhigungspille, sondern eine Abrechnung mit Rentensystem, Staatsgläubigkeit und dem Modell des lebenslangen Angestellten.

Den Anstoß gibt eine Prognose, die in der Runde dem Forschungsinstitut Epoch AI zugeschrieben wird: Aktuell könne Anthropic 30.000 parallele Agenten-Schleifen fahren, im nächsten Jahr könnten es mit DeepSeek V4 bereits 1,4 Milliarden sein. „Das heißt, ein Mensch kann Millionen von Agents managen“, folgert der Fragesteller und legt nach: „Brauche ich dann überhaupt noch mehr Menschen, die mehr Agenten managen?“ An Mićić gerichtet, der nach den Worten seines Gesprächspartners für ein „Universal Basic Capital“ eintritt, also dafür, dass jeder Anteilseigner an dieser Entwicklung werden muss, folgt die eigentliche Frage: „Was ist jetzt wichtig, um hier nicht unter die Räder zu kommen?“

Mićićs erste Antwort dürfte in Berlin niemand gern hören: „Auf die Politik sollte man nie vertrauen.“ Trotzdem sei das Problem eine so große gesellschaftliche Aufgabe, „dass es ohne Politik nicht gelöst werden wird“. Besonders hart trifft es nach seiner Darstellung den Nachwuchs. Unternehmen stellten weniger junge Leute ein, und „diese Jobs kommen nicht wieder“, sie würden auch in der nächsten Welle nicht neu starten. Gemeint sind die assistierenden Tätigkeiten, „bei denen man normalerweise seine Sporen verdient, wie man früher gesagt hat“, bei denen man ein Gefühl für die richtigen Arbeiten, Ergebnisse und Prozesse entwickelt. Diese Aufgaben seien inzwischen durch Agenten machbar, und die könnten noch viel mehr, als heute genutzt werde.

Ganz ohne Lichtblick bleibt es nicht. Wer in einen Job gehe und das Potenzial habe, ein exzellenter Experte zu werden, könne mit einem Team von Agents „sehr viel früher produktiv sein, sehr viel früher an Kunden, Klienten, Mandanten und Patienten arbeiten“, als es bisher der Fall war. Es sei noch nie so leicht gewesen, sich selbst zu qualifizieren, Lösungen zu finden und zu lernen, immer vorausgesetzt, „man hat die Neugier und den Willen“. Schon früher hatten Fachleute vor dem Tempo gewarnt, F-NEWS berichtete etwa über die Warnung von Nobelpreisträgern vor Jobverlusten im Rekordtempo.

Der Kernsatz des Clips zielt auf ein Fundament der Industriegesellschaft: „Der Angestelltenjob ist eine Erfindung. Das ist nicht die Normalität. Das hat uns 200 Jahre gut gedient, aber das wird so nicht der Fall sein.“ Was jetzt komme, sei nur eine „Rückkehr zu einer Situation vor der Industrialisierung“. Zugleich habe man in der Vergangenheit „eine ganze Reihe kurzsichtiger Entscheidungen getroffen, was das Rentensystem betrifft“, und das bekomme man nicht so schnell gelöst. Sein Rat: sich selbstständig machen, „nicht einen Arbeitgeber, sondern mehrere Auftraggeber“ haben und mit oder ohne staatliche Unterstützung Eigentum an produktivem Vermögen aufbauen, also an Unternehmen, die für die KI- und Robotikwelt gut aufgestellt sind. Das sei „mit Sicherheit nicht leicht“, aber „der Weg für sehr viele“.

Ehrlich ist Mićić auch beim Zeitplan: „Das wird aber alles nicht schnell genug gehen. Also brauchen wir Transferzahlungen.“ Und zwar vermutlich über Jahrzehnte, wegen früherer Fehler. Das große Problem sei nicht, dass KI und Robotik kommen. „Es kann nicht falsch sein, dass mehr Intelligenz in die Welt kommt und dass Arbeit billiger wird.“ Das Problem sei, „dass wir uns dieses Konzept des Jobs geschaffen haben, und das wird sich nicht halten lassen“, jedenfalls nicht in der heutigen Menge. Neue Jobs werde es „absolut“ geben, aber man werde möglicherweise „mit vielleicht 50 oder 40 Prozent der Zahl der Jobs auskommen müssen“. Deutschland habe in gewisser Weise einen Vorteil, weil gerade die Boomer in großer Zahl in Rente gehen. Das hätten die USA und andere nicht.

Damit landet das Gespräch dort, wo es für den deutschen Staat unangenehm wird. Woher sollen die Transferzahlungen kommen? „Ohne deutliche Staatsverschuldung sehe ich nicht, wie der deutsche Haushalt das momentan schaffen soll“, hält der Gesprächspartner dagegen. Zudem profitiere Deutschland derzeit kaum vom KI-Fortschritt am Finanzmarkt, und ein Wechsel zum kapitalgedeckten Rentensystem werde seit 20 Jahren diskutiert, ohne dass sich etwas geändert habe. Mićić geht noch weiter zurück: Das sei schon vor 60 Jahren diskutiert und „leider anders entschieden worden“. Man habe die Deutschen einmal zu einem „Volk der Aktionäre“ machen wollen, doch dann sei kurzsichtig entschieden worden, das Alter abzusichern, indem man es aus der Hand des einen in den Mund des anderen gibt. Mit echter Altersvorsorge habe das nichts zu tun.

Für die Finanzierung sieht Mićić „ungefähr 20 Möglichkeiten“, Menschen ein Einkommen zu verschaffen, und ebenso viele, das zu bezahlen. Dann folgt ein Satz, der die Berliner Wirtschaftspolitik trifft: „Die schlechtesten Finanzierungsmöglichkeiten sind staatliche Unternehmen, staatliche Beschäftigungsprogramme, aber genau das werden wir alles tun.“ Ebenfalls schlecht sei es, Unternehmen zu subventionieren, um sie am Alten festzuhalten, denn „da werden wir noch mehr verlieren“. Am Ende müsse man „zusätzliche Produktivität besteuern. Aber die Reihenfolge ist entscheidend.“ Erst müsse die Produktivität tatsächlich da sein. Ansetzen werde man an den Ertragssteuern der Unternehmen, und „vermutlich wird sich die Politik nicht daran hindern lassen, auch an den Vermögen der Menschen anzusetzen“. Wie schnell der Staat beim Abkassieren ist, zeigte zuletzt der Vorstoß des Digitalministers für eine KI-Steuer.

Ein weiterer Gesprächsteilnehmer verweist auf Vorschläge von OpenAI, „sowas wie Dividenden auf Datacenter-KI-Gebrauch oder auch eine Robotiksteuer“, räumt aber selbst ein, das sei „zumindest keine Antwort für Deutschland oder Europa“. Der Haken wird offen ausgesprochen: „Wenn die Wertschöpfung nicht in Europa stattfindet, was willst du denn abschöpfen?“ Ein Kontinent, der KI vor allem reguliert, statt sie entstehen zu lassen, plant am Ende Steuern auf Gewinne, die anderswo anfallen. Die Debatte um das universelle Grundeinkommen, für das auch Elon Musk wirbt, bekommt damit eine sehr deutsche Note.

Den Schlusspunkt setzt Mićić mit einem Blick auf die Erwerbsrealität. Man müsse auch schauen, „wie viele Menschen denn tatsächlich arbeiten in Deutschland. Es sind also erstaunlich wenige“, und erstaunlich wenige davon zahlten wirklich Beiträge und Steuern. „Das Problem redet man damit nicht klein, es ist groß genug.“ Man sei bereits auf dem Weg dahin, dass weniger als die Hälfte der Menschen überhaupt tätig ist und nur ein sehr erstaunlich kleiner Teil überhaupt Steuern zahlt. Trifft die Agentenwelle auf dieses Fundament, wird aus der Rentenlücke ein Systembruch.

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