Wien führt sein Integrationsversagen inzwischen selbst nach. 60 Prozent der Kinder, die wegen unzureichender Deutschkenntnisse als außerordentliche Schüler eingestuft werden, sind in Österreich geboren. Das berichtet die Kronen Zeitung unter Berufung auf eine Auswertung der Agenda Austria für das Schuljahr 2025/26. Es geht also mehrheitlich nicht um Kinder, die gerade erst eingereist sind. Viele sind hier geboren, hier aufgewachsen und erreichen trotzdem die Schule, ohne dem Unterricht ausreichend folgen zu können.
Der Begriff „außerordentlich“ klingt nach Auszeichnung, bezeichnet aber das Gegenteil. Betroffen sind schulpflichtige Kinder, deren Kenntnisse der Unterrichtssprache nach einem standardisierten Test für eine reguläre Teilnahme nicht ausreichen. Bevor die erste Klasse Lesen, Schreiben und Rechnen vermitteln kann, muss sie damit in tausenden Fällen erst die Sprache beibringen, in der all das erklärt werden soll.
Besonders deutlich wird das Ausmaß in Favoriten. Von 2561 Schulanfängern konnten 1696 dem Unterricht wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht ausreichend folgen. Das sind fast zwei Drittel des gesamten Jahrgangs. In Margareten liegt der Anteil sogar bei 74,8 Prozent. Eine reguläre erste Klasse wird unter solchen Bedingungen zur Ausnahmeveranstaltung.
Auch das Argument der erst kürzlich erfolgten Zuwanderung trägt nicht. In der Donaustadt und in Floridsdorf wurden mehr als 70 Prozent der außerordentlichen Erstklässler in Österreich geboren. In Liesing sind es 351 von 460 Kindern und damit 76,3 Prozent. Agenda-Austria-Expertin Carmen Treml bringt das Versagen auf den Punkt: Diese Kinder seien hier geboren und aufgewachsen und müssten die Sprache längst sprechen. Bis zum Schuleintritt gehe bereits zu viel Zeit verloren.
Die Folgen tragen nicht nur die betroffenen Kinder. Wenn ein Großteil einer Klasse der Unterrichtssprache nicht folgen kann, sinkt das Lerntempo für alle. Lehrer werden zu Sprachhelfern, während Eltern, Kindergartenverwaltung und Integrationspolitik jahrelang versäumte Pflichten an die Volksschule abschieben. F-NEWS hatte bereits anhand anderer Daten gezeigt, wie der demografische und kulturelle Wandel Wiens Schulen verändert.
Das Problem beginnt im Kindergarten. In den öffentlichen Wiener Kindergärten sprechen 11.450 von 16.731 Kindern der beiden erfassten Jahrgänge zuerst eine andere Sprache als Deutsch. Das allein beweist noch kein Deutschdefizit jedes einzelnen Kindes. Der Anteil ist dennoch alarmierend und stieg von 61 Prozent vor vier Jahren auf mehr als zwei Drittel. In privaten Einrichtungen kletterte er im selben Zeitraum von 43 auf 53 Prozent.
Treml berichtet zudem von Eltern, die Sprachförderung verweigern. Gespräche und Aufklärung müssten zuerst stehen. Wenn Eltern weiter blockieren, seien Sanktionen nötig. Genau hier zeigt sich die jahrelange Feigheit der Politik. Verbindlichkeit wird vermieden, bis das Kind vor der Schultür steht und die Allgemeinheit die Folgen bezahlen soll.
Das Wiener Mindestsicherungsgesetz schafft sogar ein Schlupfloch. Wer ein Kind unter drei Jahren betreut und keinen passenden Betreuungsplatz erhält, muss an keinen Integrationsmaßnahmen teilnehmen. Mit jedem weiteren Baby kann sich diese Ausnahme verlängern. Eine Stadt, die Sozialleistungen auszahlt, aber bei Spracherwerb und Mitwirkung wegschaut, produziert Abhängigkeit statt Integration.
Die Reaktion der Stadt wirkt wie eine Rechenübung zur Verwaltung des Scheiterns. Bildungsstadträtin Bettina Emmerling von den NEOS will Kindergartengruppen ab 2028 so mischen, dass höchstens 20 Prozent der Kinder dieselbe andere Alltagssprache sprechen. Eine Mindestquote für Deutsch gibt es jedoch nicht. Rechnerisch können fünf andere Sprachen eine Gruppe vollständig füllen, ohne dass ein einziges Kind Deutsch als Erstsprache spricht.
Einheimische Kinder dürfen dabei nicht zu unfreiwilligen Integrationshelfern eines überlasteten Systems gemacht werden. F-NEWS hat bereits grundsätzlich erläutert, warum Kinder nicht zu Integrationshelfern des Staates gemacht werden dürfen. Wer dauerhaft in Österreich lebt und staatliche Leistungen bezieht, muss dafür sorgen, dass seine Kinder vor dem Schuleintritt ausreichend Deutsch lernen.







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