Eine Kanadierin in ihren Siebzigern erhielt die Genehmigung zur Sterbehilfe. Sie konnte nicht mehr für ihre Familie kochen und fühlte sich deshalb wertlos. Nach Gesprächen mit Ärzten entschied sie sich gegen den Tod. Die Zusage lag da bereits vor.
Die Psychiater Gary Rodin und Madeline Li von der Universität Toronto schilderten den Fall in einem Gastbeitrag für die „New York Times“. Auch die „Daily Mail“ berichtete darüber. Das Kochen für die Familie hatte der Frau Sinn und eine feste Rolle gegeben. Als ihr diese Tätigkeit nicht mehr möglich war, glaubte sie, den Angehörigen nichts mehr zu bedeuten.
In den Gesprächen erkannte die Frau, dass ihre Familie sie nicht wegen der Mahlzeiten liebte. Sie nahm die genehmigte Sterbehilfe nicht in Anspruch. Zu Weihnachten saß sie mit ihren Angehörigen am Tisch, während andere kochten. Dieser einfache Ausgang macht den Fall so erschütternd: Eine Zusage zum Töten war bereits erteilt, bevor die Frau Hilfe fand, um ihren Platz im Leben neu zu sehen.
Welche Erkrankung die medizinische Grundlage für die Genehmigung bildete, geht aus den veröffentlichten Schilderungen nicht hervor. Allein die Unfähigkeit zu kochen genügt nach kanadischem Recht nicht. Es verlangt eine schwere, nicht behebbare Erkrankung oder Behinderung, einen fortgeschrittenen irreversiblen Abbau der Fähigkeiten und als unerträglich empfundenes Leiden. Zwei voneinander unabhängige Fachpersonen müssen die Voraussetzungen prüfen.
Rodin und Li befürworten die Möglichkeit der Sterbehilfe grundsätzlich. Gerade deshalb wiegt ihre Kritik schwer: Die Prüfung, ob jemand rechtlich sterben darf, dürfe nicht an die Stelle einer ernsthaften Begleitung treten. Psychologische Hilfe, die Lebensmut und Beziehungen stärken kann, werde Menschen mit einem Sterbewunsch nicht regelmäßig angeboten oder finanziert. Die Frau, von der sie berichten, wäre ohne diese Gespräche womöglich tot.
Das Programm ist längst kein Randphänomen. Nach dem jüngsten Bericht der kanadischen Regierung starben 2024 insgesamt 16.499 Menschen durch Sterbehilfe, 5,1 Prozent aller Verstorbenen. F-NEWS berichtete bereits über den umstrittenen Tod von Brigitte Stegemann in Kanada und über einen Priester, dem nach einem Hüftbruch Sterbehilfe angeboten wurde. Im aktuellen Fall blieb die Frau am Leben, weil ihr jemand half, wieder einen Grund dafür zu sehen.







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