Lebensschützer als Seuche: Brüsseler Lobby will Europa „dekontaminieren“

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Eine Petition, eine Demonstration, ein Einsatz für ungeborene Kinder: Im neuen Bericht der Brüsseler Organisation Forbidden Colours erscheinen solche Aktivitäten als Symptome einer politischen Seuche. Der 457 Seiten lange Originalbericht „The Hate Review“ untersucht politische Gruppen in 47 europäischen Staaten. Er wurde am 12. Oktober bei einer Veranstaltung im Europäischen Parlament vorgestellt. Ein offizieller Bericht des Parlaments ist er nicht.

Die Wortwahl ist keine Erfindung der Kritiker. Forbidden Colours schreibt auf der eigenen Projektseite, die sogenannte Anti-Gender-Bewegung habe alle 47 untersuchten Länder wie eine Seuche erfasst. Im Bericht selbst werden deren gesellschaftliche Präsenz mit einer Viruslast und ihr Fortbestehen mit einer chronischen Infektion verglichen. Langfristiges Ziel sei eine „Dekontaminierung Europas“ durch die geduldige Zerschlagung ihrer Akteure, Mobilisierung und Erzählungen. Gemeint ist eine politische Strategie, keine medizinische Beschreibung. Gerade deshalb ist die Wortwahl so aufschlussreich.

Das Deutschland-Kapitel nennt unter anderem Demo für Alle, den Marsch für das Leben, Aktion Lebensrecht für Alle, die Stiftung Ja zum Leben und CitizenGO. Es behandelt Petitionen, Kundgebungen und Kampagnen als Bausteine der untersuchten Bewegung. Auch Frauenheldinnen und das Umfeld von Rona Duwe kommen vor. Über Duwes Kritik an der Genderideologie berichtete F-NEWS bereits. Die Autoren betrachten diese unterschiedlichen Organisationen gemeinsam unter dem Etikett „anti-gender“.

Für Demo für Alle ist das ein Versuch, legale Familien- und Lebensschutzarbeit aus der demokratischen Debatte zu drängen. Die Initiative verweist darauf, dass der Bericht ausgerechnet Petitionen und Demonstrationen als Belege für ihren Einfluss aufführt. Der Marsch für das Leben wird ebenfalls in dieses Raster eingeordnet. Wer friedlichen Protest wie einen Krankheitserreger vermisst, erklärt politische Gegenrede zum Problemfall.

Forbidden Colours widerspricht der Lesart, man wolle Menschen verfolgen oder ihnen Gewalt antun. In einer eigenen Klarstellung bezeichnet die NGO die Seuchensprache als analytische Metapher für die Verbreitung politischer Kampagnen und erklärt, sie erkenne das Recht auf abweichende Meinungen an. Diese Erläuterung ändert nichts daran, dass der Bericht seine politischen Gegner mit Begriffen aus der Seuchenbekämpfung beschreibt und ihre organisierte Gegenwehr „dekontaminieren“ will.

Auch die Finanzierung verdient einen Blick. Forbidden Colours führt auf seiner Spenderseite das belgische Außenministerium, die König-Baudouin-Stiftung und Unternehmen wie Nord Security, Clifford Chance und Polestar als aktuelle Unterstützer auf. Frühere Förderer sind unter anderem das EU-Programm Erasmus+ und die belgische Nationallotterie. Daraus folgt nicht, dass jeder dieser Geldgeber den konkreten Bericht bezahlt hat. Es zeigt aber, mit welchen institutionellen und wirtschaftlichen Ressourcen die Organisation arbeitet, während sie ehrenamtliche Lebensschutz- und Familienvereine europaweit kartiert.

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