Der Fernseher steht im Wohnzimmer, doch was bekommt er von seinen Besitzern mit? Eine Untersuchung des Technikkanals Gamers Nexus wirft LG vor, dass untersuchte Smart-TVs weit mehr Daten erfassen als das laufende Fernsehprogramm. The Register berichtet über gespeicherte Sprachmitschriften, erfasste Netzwerke und Geräte in der Umgebung. LG bestreitet zentrale Vorwürfe.
Die Tester verschafften sich Zugriff auf interne Daten eines Fernsehers und fanden nach eigener Darstellung Klartextdateien mit Transkripten aus der Spracherkennung. Besonders heikel: Das Gerät soll auch dann Ton erfasst haben, wenn der Bildschirm im Standby dunkel war. Selbst ohne Internetverbindung könnten Daten zunächst lokal gespeichert und nach erneuter Verbindung übertragen werden, so die Forscher. Das sind ihre Beobachtungen an Testgeräten, kein Nachweis, dass jeder LG-Fernseher ständig Gespräche mitschneidet.
Hinzu kommen nach Angaben des Teams IP-Adresse, Standortdaten, Namen und Signalstärken benachbarter WLAN-Netze. Der Fernseher habe außerdem Geräte im Heimnetz erkannt, darunter Smartphones, Computer, Router und smarte Haushaltsgeräte. Damit reicht die mögliche Datensammlung über das hinaus, was ein Käufer beim Einschalten eines TV-Geräts erwartet. Die Forscher sprechen von einem massiven Eingriff in die Privatsphäre.
Das Werbegeschäft ist bei LG kein Geheimnis. Schon 2022 kündigte der Konzern die internationale Einführung seiner automatischen Inhaltserkennung für Fernseher an. Diese ACR-Technik erkennt, was auf dem Bildschirm läuft, und liefert Daten für Werbung und Reichweitenmessung. Ob die von Gamers Nexus beanstandeten Sprachdaten tatsächlich an die Werbesparte gelangten, ist damit nicht belegt; das Team erhebt diesen Vorwurf aber ausdrücklich.
LG widerspricht der Darstellung. Laut einer Stellungnahme gegenüber The Register verarbeitet der Fernseher Sprache nur, wenn die Mikrofontaste gedrückt wird oder eine vom Nutzer aktivierte Freisprechfunktion auf ein Aktivierungswort wartet. Andere Gespräche würden weder gesammelt noch aufgezeichnet. Das Erkennen anderer Geräte im lokalen Netz bezeichnet LG als normale Smart-TV-Funktion. Die werbliche Nutzung der ACR-Daten setze eine freiwillige Zustimmung voraus.
Ein Telegram-Clip von The Occupied Times macht den Fall nun mit der Zahl von 216 Millionen LG-Fernsehern bekannt. Diese Zahl stammt aus dem Titel der Gamers-Nexus-Untersuchung. Sie bedeutet nicht, dass bei 216 Millionen Geräten das Mitschneiden von Gesprächen nachgewiesen wurde. Die entscheidende Beobachtung bleibt trotzdem unangenehm: Ein Gerät mitten im privaten Wohnraum kann Daten über Sprache, Sehgewohnheiten und das Heimnetz gewinnen, während der Nutzer kaum sieht, was im Hintergrund geschieht.
F-NEWS hat bereits beschrieben, wie digitale Stromzähler Daten aus dem Haushalt liefern und wie alltägliche Datenspuren ein umfassendes Bild der Bürger ergeben. Wer seinen Smart-TV nicht als Datenquelle im Heimnetz haben will, kann Sprachsteuerung und Inhaltserkennung in den Einstellungen abschalten und die Internetverbindung des Geräts trennen. Dann fallen allerdings vernetzte TV-Funktionen weg.







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