Mit was für einer Gülle sich die Regierung befasst

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Mit was für einer Gülle sich die Bundesregierung befasst, zeigt die jüngste Mitteilung des Bundestages. Neun Fragen richteten die Grünen an die Regierung, weil sie wissen wollten, wie Flüssigmist in deutschen Ställen mit Säure behandelt werden kann, um Ammoniak und Methan zu verringern. Der deutsche Weltrettungskomplex ist damit endgültig in der Güllegrube angekommen.

Es geht um Schwefelsäure, Dosierungen, Lagerbehälter, Genehmigungen, Güllekühlung, Güllezusätze, Kalkstickstoff und die Frage, ob angesäuerter Flüssigmist rechtssicher in bestehenden Anlagen gelagert werden darf. Die Grünen beklagen in ihrer Anfrage, Deutschland setze eine auf EU-Ebene anerkannte Technik bislang nicht praxistauglich um. Die Bundesregierung antwortet in der Bundestagsdrucksache 21/7878, die Ansäuerung sei wirksam, werde hierzulande aber kaum eingesetzt.

Die eigenen Versuchsdaten klingen nur so lange beeindruckend, bis man sie vollständig liest. Für 2024 nennt die Regierung eine Verringerung der Ammoniakemissionen um 45 bis 65 Prozent, für 2025 um 40 bis 80 Prozent. Direkt danach folgt die kalte Dusche: An einem Großteil der Messtage waren die Ausgangsemissionen bereits niedrig. Der absolute, mengenmäßige Nutzen der Ansäuerung konnte deshalb nur bedingt gezeigt werden. Mit anderen Worten: Große Prozentzahlen auf kleiner Ausgangsbasis, aber daraus soll wieder ein politisches Großprojekt werden.

Auf die Frage, ob deutsche Vorschriften den Landwirten einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen EU-Staaten verschaffen, liefert die Regierung den üblichen Behördenbrei. Die Landwirtschaft stehe vor Herausforderungen, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit müssten verbunden werden, eine isolierte Betrachtung sei nicht zielführend. Eine klare Antwort sieht anders aus. Eine Änderung der einschlägigen Verordnung ist nicht geplant. Falls sie irgendwann doch geändert wird, will die Regierung prüfen, ob sie die Rechtslage vielleicht klarstellt.

Ammoniak ist zunächst ein Luftschadstoff und kein Kohlendioxid. Die Grünen schlagen dennoch sofort den großen Bogen zur globalen Erwärmung, weil aus Stickstoffverbindungen Lachgas entstehen kann und auch Methan aus der Gülle entweicht. So wird aus einer technischen Frage der Stall- und Luftreinhaltung erneut ein Baustein zur Rettung des Weltklimas. Wer lokale Schadstoffminderung und globale Klimarettung in denselben politischen Bottich kippt, produziert die eigentliche Gülle.

Dabei genügt ein Blick auf die Größenordnung. Nach den finalen Daten des Umweltbundesamtes verursachte Deutschland 2024 rund 650 Millionen Tonnen Treibhausgase. Davon entfielen 88,3 Prozent auf CO₂, also rund 574 Millionen Tonnen. Den weltweiten fossilen CO₂-Ausstoß beziffert das Statistische Bundesamt für dasselbe Jahr auf etwa 39,6 Milliarden Tonnen. Im Verhältnis dazu bewegt sich der deutsche Anteil in einer Größenordnung von rund 1,5 Prozent.

Selbst wer jede Klimaprognose und jedes politische CO₂-Ziel für richtig hält, muss diesen Maßstab zur Kenntnis nehmen. Deutschlands gesamter Anteil liegt bei rund 1,5 Prozent. Die Methanemissionen aus deutschen Güllelagern sind wiederum nur ein Bruchteil davon. Trotzdem beschäftigen sich Abgeordnete und Ministerien seitenlang mit der chemischen Behandlung von Flüssigmist, als hinge das Weltklima an der Säureflasche eines niedersächsischen Schweinehalters.

Während Deutschlands industrielle Substanz schrumpft und Arbeitsplätze verschwinden, wird der nächste Klimabaustein bis zur Wassergefährdungsklasse durchverwaltet. Alice Weidel forderte in der Generaldebatte zuletzt die Streichung der Klimaschutz- und Transformationsprogramme. Diese Drucksache liefert unfreiwillig das Anschauungsmaterial dazu: Berlin rettet die Welt, indem es die deutsche Gülle ansäuert.

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