Ein 18-jähriger Syrer beschäftigt die niederländische Politik. Der junge Mann lebt seit vier Jahren im Land und wurde in dieser Zeit 114-mal bei der Polizei registriert. Jetzt sitzt er wegen des Verdachts auf einen gewalttätigen Raubüberfall in Amsterdam in Untersuchungshaft. Gleichzeitig steht ein Antrag auf Familiennachzug im Raum.
Die Zahl bedeutet nicht, dass der Mann 114 Straftaten begangen hat oder 114-mal verurteilt wurde. Polizeiregistrierungen können unterschiedliche Vorgänge erfassen. Nach Angaben aus der Parlamentsdebatte fiel er jedoch immer wieder auf, häufig wegen Diebstahls. Die schiere Zahl zeigt, wie lange der Fall bereits durch das niederländische Behördennetz wanderte.
PVV-Chef Geert Wilders verlangte im Parlament eine Erklärung. Er wollte wissen, warum der Mann trotz der vielen Polizeikontakte weder verurteilt noch ausgewiesen worden sei. Wilders fragte außerdem, ob es stimme, dass der Syrer nun Familiennachzug beantragt habe. Der niederländische Sender NOS berichtet über die heftige Debatte.
Staatssekretärin Kitty van Bruggen von der linksliberalen D66 konnte zum konkreten Fall kaum Auskunft geben. Sie verwies darauf, dass individuelle Verfahren im Parlament nicht behandelt würden. Grundsätzlich werde nach einer strafrechtlichen Verurteilung geprüft, ob eine Aufenthaltserlaubnis entzogen werden könne. Ohne Verurteilung dürfe ein Schutzberechtigter nach europäischen Regeln jedoch Familiennachzug beantragen.
Die Empörung reicht weit über Wilders‘ PVV hinaus. VVD, FVD, JA21, ChristenUnie, D66, BBB und weitere Abgeordnete verlangten Aufklärung. VVD-Abgeordneter Ulysse Ellian erklärte, ein Mensch mit 114 Polizeiregistrierungen hätte nach europäischem Recht längst ausgewiesen werden können und dürfe keinesfalls noch seine Familie nachholen.
Auch die offizielle Zusammenfassung der Zweiten Kammer hält fest, dass Wilders die Ausweisung verlangte. Van Bruggen verwies auf hohe rechtliche Hürden und europäische Vorgaben. Die Regierung müsse nun erklären, wie Jugendhilfe, Polizei, Justiz und Ausländerbehörden bei einem derart umfangreichen Vorgang über Jahre nebeneinander arbeiten konnten.
Deutschland kennt dieselbe Debatte über Schutzstatus, Rückführung und Familiennachzug. F-NEWS berichtete darüber, dass noch immer fast eine Million Syrer in Deutschland leben und seit Mai 2025 lediglich vier Menschen nach Syrien abgeschoben wurden. Auch in der Generaldebatte spielte der Familiennachzug neben den weiterhin hohen Asylzahlen eine zentrale Rolle.








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