Der Ökostromanbieter Grüüün stellt sein bundesweites Angebot für Privatkunden zum 31. Oktober 2026 ein. Auf seiner Internetseite erklärt das Unternehmen: „Wir müssen aufgeben.“ Kunden werden aufgefordert, sich rasch einen neuen Stromlieferanten zu suchen. Wer nichts unternimmt, landet ab November in der örtlichen Grundversorgung.
Das Unternehmen begründet den Rückzug mit der Energiepolitik der Bundesregierung. Mehrere politische Entscheidungen sowie das geplante Erneuerbare-Energien-Gesetz 2027 und das Netzpaket würden die künftige Erzeugung von Grünstrom behindern. Eingeplante Strommengen könnten nach Darstellung von Grüüün nicht mehr wie vorgesehen produziert werden. Das ist die Erklärung des Unternehmens; die genannten Vorhaben sind noch nicht in allen Teilen geltendes Recht.
Für die Kunden zählt zunächst etwas anderes: Ein laufender Vertrag endet nach der Ankündigung spätestens am 31. Oktober, auch wenn sie mit einer längeren Laufzeit oder einer Preisgarantie gerechnet hatten. Grüüün empfiehlt den Wechsel zu Naturwerke, betont aber, dass jeder Kunde einen anderen Anbieter wählen kann. Ob das vorgeschlagene Angebot tatsächlich günstiger ist, lässt sich nur anhand des eigenen Verbrauchs, der Postleitzahl und der Vertragsbedingungen beurteilen.
Der Strom wird am 1. November nicht einfach abgeschaltet. Ohne neuen Vertrag übernimmt der örtliche Grundversorger die Lieferung. Grüüün selbst weist darauf hin, dass dessen Tarif meist teurer sein kann. Für Haushalte, die ohnehin unter Energiekosten leiden, ist das keine Kleinigkeit. F-NEWS berichtete bereits über 3,8 Millionen Menschen in Haushalten mit offenen Versorgerrechnungen.
Kunden sollten ihre Kündigung und die vereinbarte Mindestlaufzeit prüfen, einen neuen Tarif vergleichen und den Zählerstand beim Wechsel festhalten. Grüüün kündigt die Schlussrechnung für November an und verspricht, Guthaben auszuzahlen. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass auch ein Stromlieferant nur kündigen darf, wenn die vertraglichen oder gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Eine angekündigte Geschäftsaufgabe macht nicht automatisch jede vorzeitige Vertragskündigung wirksam.
Grüüün war erst vor etwa zwei Jahren mit dem Versprechen eines stabilen Ökostrompreises angetreten. Nun müssen die Kunden in wenigen Wochen Ersatz finden, während die politische Auseinandersetzung um die Energiegesetze weitergeht. Die neue Unsicherheit trifft einen Strommarkt, dessen Versorgungssicherheit ohnehin diskutiert wird: Zuletzt warnten vier Netzbetreiber vor Engpässen. Die Folgen des Grüüün-Rückzugs tragen zunächst die Vertragspartner, nicht die Politiker, auf deren Pläne sich der Anbieter beruft.








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