Wer länger auf eine planbare Operation wartet, kann offenbar mit Geld oder einem Besuch in einer Privatordination nachhelfen. Eine Patientenbefragung des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK) kommt zu diesem Ergebnis. Die „Krone“ berichtet über Zahlungen von bis zu 8.600 Euro und den Vorwurf, Patienten würden gegen Geld auf Wartelisten nach vorne rücken.
Befragt wurden 810 Menschen, die in den vergangenen drei Jahren in einem öffentlichen Krankenhaus oder einem Ordensspital operiert worden waren. 13,1 Prozent gaben an, ihnen sei eine Verkürzung der Wartezeit durch den Besuch einer Privatordination angeboten worden. 6,1 Prozent nahmen das Angebot an. 9,1 Prozent berichteten von einem Angebot für eine private Zuzahlung; 2,8 Prozent zahlten tatsächlich. Die genannten Beträge lagen laut Studie zwischen 200 und 8.600 Euro.
AK-Präsident Andreas Stangl spricht von Korruption und fordert, solche Vorreihungen abzuschaffen. In Oberösterreich schreibt das Krankenanstaltengesetz vor, dass Operationstermine ausschließlich nach medizinischen Gesichtspunkten vergeben werden. Tilman Königswieser von der Oberösterreichischen Gesundheitsholding nennt den Verkauf von OP-Terminen ein „absolutes No-Go“ und kündigt an, möglichen Fällen nachzugehen.
Die Zahlen zeigen zugleich, wie stark Zugang und Wartezeit auseinandergehen können. Patienten mit mittlerem oder höherem Bildungsabschluss warteten laut Befragung im Median 16 Wochen auf ihre Operation. Bei Menschen mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss waren es 25 Wochen. Wer die Abläufe kennt, besser verhandelt oder sich eine private Zusatzleistung leisten kann, hat damit offenbar zusätzliche Möglichkeiten.
Die Studie belegt nicht, dass jeder Arzt oder jedes Krankenhaus Termine gegen Geld verkauft. Sie dokumentiert jedoch, dass Patienten solche Angebote schildern und teilweise angenommen haben. Wenn die gesetzliche Reihenfolge nach medizinischer Dringlichkeit gilt, darf der Geldbeutel keine Hintertür öffnen. Dass die Untersuchung in Oberösterreich durchgeführt wurde, macht den Befund nicht automatisch zu einem landesweiten Beweis. Das IHS hält die Ergebnisse laut „Krone“ dennoch für auf ganz Österreich übertragbar.
Die Arbeiterkammer verlangt transparente Wartelisten, regelmäßige Angaben zu Fachgebiet, Standort, Dringlichkeit und Zahl der Sonderklasse-Patienten sowie eine unabhängige Beschwerdestelle. Ohne nachvollziehbare Zahlen bleibt für Patienten schwer erkennbar, ob eine lange Wartezeit medizinisch begründet ist oder ob andere Wege an ihnen vorbeiführen. F-NEWS berichtete bereits über wachsende Zweifel an der Gesundheitsversorgung und die unklaren Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung.








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