Die westliche Zivilisation hat Kathedralen gebaut, Symphonien komponiert und die moderne Medizin hervorgebracht. Im Wien des Jahres 2026 sammelt man dagegen 1.000 Liter Urin aus Komposttoiletten, filtert ihn zu Wasser und braut daraus ein feministisches Hopfengetränk. Verkauft wird der Ekel als Fortschritt.
Hinter dem gelben Gebräu stehen das Wiener Unternehmen Muschikraft und der Komposttoilettenanbieter Öklo. Gebraut wurde es in einer Bio-Brauerei im Mostviertel. Zwischen 2.000 und 2.500 Flaschen sowie ein Holzfass wurden produziert. Am 3. Oktober soll das Fass an einem Wiener Würstelstand an der U4-Station Spittelau angezapft werden.
„Golden Shower“ heißt das Produkt. Bier darf es offiziell nicht genannt werden, denn das Reinheitsgebot spielt bei dieser sanitären Selbstverwirklichung offenbar doch noch eine Rolle. Deshalb spricht man vorsichtshalber von einem Hopfengetränk. Der gesunde Menschenverstand würde eine deutlich kürzere Bezeichnung wählen: widerlich.
Technisch wurde der Urin nach Angaben der Hersteller gefiltert und wieder zu Wasser aufbereitet. Niemand behauptet, dass in der Flasche noch unbehandelter Toiletteninhalt schwimmt. Das macht die Idee nicht appetitlicher. Ein Lebensmittel wird absichtlich mit menschlichen Ausscheidungen beworben, weil Provokation längst das Einzige ist, was diesem Milieu noch als Kreativität gilt.
Muschikraft-Gründerin Sophie Tschannett erklärt, Geschlechter- und Klimagerechtigkeit müssten gemeinsam gedacht werden. Das Getränk soll angeblich einen sexuell besetzten Begriff zurückerobern und zur Selbstermächtigung beitragen. Unter dem Motto „Aufs Patriarchat pinkeln“ wird aus einer Komposttoilette ein politisches Manifest und aus Ekel eine Haltung.
Der Feminismus dieser Sorte hat mit den wirklichen Problemen von Frauen kaum noch etwas zu tun. Frauen, die Gewalt, Zwangsheirat oder religiöse Unterdrückung erleben, hilft kein Urinbräu am Würstelstand. Stattdessen feiert eine wohlstandsverwahrloste Blase ihren eigenen Tabubruch und erklärt jeden angewiderten Menschen zum rückständigen Spießer.
Auch die Klimarettung muss als Ausrede herhalten. Kreislaufwirtschaft ist sinnvoll, wenn Abwasser gereinigt, Nährstoffe zurückgewonnen und Ressourcen geschont werden. Sie wird zur Zirkusnummer, wenn ein Toilettenexperiment mit Geschlechterkampf, Sexbegriffen und Oktoberfestfolklore verrührt wird. Das Ergebnis rettet weder das Klima noch die Frau. Es produziert Aufmerksamkeit.
Der PR-Trick funktioniert. Ein gewöhnliches Recyclingprojekt hätte kaum Schlagzeilen gemacht. Urin aus dem Öklo, feministische Parolen und ein Name aus der Pornosprache bringen dagegen Reichweite. Ausgerechnet der Ekel, den die Macher angeblich überwinden wollen, ist ihr wichtigstes Verkaufsargument. Ohne ihn bliebe nur ein teures gelbes Getränk mit ideologischem Beipackzettel.
Österreich hatte bereits Geld für Kunstprojekte mit Urinbecken übrig. F-News berichtete unter dem Titel „Dafür ist Geld da: Urinbecken, NGOs und Ukraine“ über diese politische Prioritätensetzung. Nun wird aus dem Urinbecken konsequent die Getränkekarte. Der Niedergang besitzt immerhin eine Kreislaufwirtschaft.
Die Veranstalter dürfen ihr gefiltertes Toilettenwasser trinken und sich dabei für mutig halten. Der Rest der Bevölkerung darf festhalten, dass nicht jede technisch mögliche Idee auf den Tisch gehört. Das Patriarchat wird den Abend vermutlich überleben. Geschmack, Würde und Vernunft haben schlechtere Karten.
Quelle: Der Standard







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