Rund 1.640 Tonnen deutsches Gold lagern weiterhin in New York und London. Die AfD will die Reserven vollständig nach Deutschland zurückholen. Der Finanzausschuss des Bundestages empfiehlt jedoch, den Antrag abzulehnen. Am 14. Oktober soll das Parlament darüber entscheiden, wie die Tagesordnung des Bundestages zeigt. Wer die Ausschussempfehlung liest, erfährt auch, wie leicht die Koalition das Risiko fremder Verwahrung vom Tisch wischt.
Nach den Zahlen der Bundesbank für Ende 2025 lagen 1.710 Tonnen in Frankfurt, 1.236 Tonnen bei der Federal Reserve in New York und 404 Tonnen bei der Bank of England in London. Insgesamt waren es rund 3.350 Tonnen. Damit befand sich fast die Hälfte der Reserve außerhalb Deutschlands. Ihr Wert zum damaligen Bilanzstichtag betrug in New York etwa 145,8 Milliarden und in London etwa 47,7 Milliarden Euro.
Der AfD-Antrag fordert einen verbindlichen Zeitplan für die Rückführung, künftig ausschließlich deutsche Lagerorte und jährliche Berichte über Bestände, Barrennummern und mögliche Transaktionen. Außerdem soll sich die Bundesregierung gegen eine Einbeziehung nationaler Goldreserven in europäische Haftungsmechanismen stellen. F-NEWS hatte über Boehringers Vorstoß zur Gold-Heimholung bereits berichtet.
Die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses wurde mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken gegen die AfD gefasst. Die Koalition nennt den Antrag „populistisch“. Die Vorstellung, die Goldbestände könnten in New York unterschlagen oder gestohlen werden, sei unrealistisch. New York und London seien bedeutende Handelsplätze; dort lasse sich Gold im Bedarfsfall schnell verkaufen. Eine vollständige Rückführung sei außerdem logistisch und sicherheitstechnisch schwierig.
Dass ein Diebstahl unwahrscheinlich ist, beantwortet aber nicht die Frage nach politischer Verfügbarkeit in einer Krise. Wer Gold als Reserve gegen Währungs- und Staatsrisiken bezeichnet, muss erklären können, weshalb fast die Hälfte davon unter ausländischer Verwahrung bleiben soll. Die Koalition setzt auf eingespielte Partner und kurze Wege zum Goldmarkt. Der Antrag stellt genau diese Abhängigkeit infrage. Politisches Risiko ist nicht erst dann ein Thema, wenn bereits ein Barren fehlt.
Die Grünen sprechen von sinnvoller Streuung über verschiedene Standorte und lehnen ebenso wie die Linke die vollständige Rückholung ab. Das ist ein Argument, über das man streiten kann. Doch die bloße Lagerung an einem internationalen Handelsplatz ersetzt keine Debatte darüber, wer im Ernstfall über den physischen Bestand verfügt. Die Bundesbank versichert, ihre Auslandsbestände würden regelmäßig geprüft. Eine Behauptung, das Gold sei verschwunden, lässt sich aus den Unterlagen gerade nicht ableiten.
Auch der Wert des Bestands ist kein fixer Betrag. Goldpreise schwanken, wie F-NEWS bereits beim Thema Gold als Vermögensschutz erläutert hat. Umso mehr kommt es auf den Zweck der Reserve an: Soll sie vor allem schnell auf ausländischen Märkten handelbar sein, oder soll Deutschland im äußersten Fall unmittelbar auf sie zugreifen können? Der Finanzausschuss hat sich für die bisherige Lagerung ausgesprochen. Ob der Bundestag seiner Empfehlung folgt, steht erst nach der Abstimmung fest.








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