Der deutsche Konservatismus hat nicht nur Wahlen verloren. Er hat Universitäten, Medien und Bildung preisgegeben und damit zugelassen, dass andere bestimmen, was überhaupt noch gesagt und gedacht werden darf. Diese Diagnose steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe von „Wirtschaft und Gesellschaft“ bei Kontrafunk. Der Ökonom Philipp Bagus spricht dort mit dem Autor Werner Bräuninger über dessen Buch „In Minenfeldern. Als deutscher Autor in der Inneren Emigration“.
Bräuningers Abrechnung trifft vor allem jene bürgerlichen Kräfte, die sich jahrzehntelang für die politische Mitte hielten und dabei ihre eigenen Positionen räumten. Seiner Ansicht nach tragen die Konservativen selbst Mitverantwortung für die kulturelle Vorherrschaft der 68er. Während sie sich mit Ämtern, Mandaten und wirtschaftspolitischen Detailfragen beschäftigten, überließen sie den Gegnern die Hochschulen, Redaktionen und Schulen. Dort wurden Begriffe geprägt, Karrieren verteilt und die Grenzen des gesellschaftlich Erlaubten immer weiter nach links verschoben.
Die CDU erscheint in diesem Bild nicht als Bollwerk, sondern als Vollstreckerin des eigenen Rückzugs. Bräuninger sieht die Partei bereits seit der Ära Kohl ausgehöhlt, unter Angela Merkel habe sich dieser Prozess noch beschleunigt. Der konservative Anspruch blieb auf Wahlplakaten stehen, während die Partei Positionen ihrer politischen Gegner übernahm und jeden weiteren Schritt als alternativlos verkaufte. Dass die Union heute vielerorts nur noch um den Machterhalt kämpft, zeigt sich auch in der von F-NEWS beschriebenen politischen Pleite der CDU.
Damit benennt Bräuninger einen Punkt, den Wahlanalysen regelmäßig ausblenden. Eine Mehrheit am Wahlabend ändert wenig, wenn Verwaltung, Wissenschaft, Kultur und große Medien längst von einem anderen Weltbild beherrscht werden. Wer nur Regierungsämter besetzt, aber die Ausbildung des Nachwuchses, die öffentliche Sprache und die gesellschaftliche Deutungshoheit aufgibt, verwaltet am Ende die Beschlüsse seiner Gegner. Der politische Rückzug wird dann als Modernisierung verkauft und der nächste Verlust als notwendige Anpassung.
Philipp Bagus setzt dem die Idee eines rechtslibertären Bündnisses entgegen. Konservative und Libertäre könnten sich gegen den ständig wachsenden Staat zusammenschließen, der immer tiefer in Eigentum, Wirtschaft, Familie und freie Rede eingreift. Der gemeinsame Gegner wäre damit klar: ein Machtapparat, der Steuern und Vorschriften ausweitet, abweichende Stimmen unter Druck setzt und die Bürger zunehmend zu Objekten staatlicher Planung macht. Wie weit dieser Zugriff bereits reicht, zeigt der Angriff auf freie Medien und Opposition.
Bräuninger hält diese Allianz jedoch eher für ein theoretisches Modell. Als realistische politische Kraft sieht er die AfD. Sie kann die Grenzen des Sagbaren verschieben und Themen in die Öffentlichkeit zwingen, die von den alten Parteien verdrängt werden. Genau deshalb richtet sich die sogenannte Brandmauer nicht nur gegen eine Partei. Sie soll verhindern, dass Millionen Wähler die festgelegten Spielregeln verändern. F-NEWS berichtete bereits darüber, wie die Brandmauer über den Wählerwillen gestellt wird.
Eine Partei allein kann den verlorenen Kulturkampf allerdings nicht zurückdrehen. Bräuninger setzt Hoffnung auf alternative Medien, soziale Netzwerke und einen langfristigen Marsch durch die Institutionen. Es braucht eigene Autoren, Redaktionen, Bildungsangebote und Menschen, die bereit sind, Verantwortung in den Einrichtungen zu übernehmen, aus denen Konservative sich einst freiwillig zurückzogen. Ohne diese Gegenmacht bleibt jeder Wahlerfolg abhängig von einem Apparat, der ihn ausbremsen oder neutralisieren kann.
Bräuninger zweifelt, ob dafür noch genügend Zeit bleibt. Seine Analyse lässt dennoch keinen Platz für die bequemste Ausrede. Wer weiter darauf wartet, dass die CDU plötzlich zu ihren früheren Grundsätzen zurückkehrt, setzt den Rückzug nur fort. Der Kulturkampf wurde kampflos verloren. Zurückgewinnen lässt er sich nur dort, wo Sprache, Wissen und öffentliche Meinung tatsächlich entstehen.







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