Immer mehr Menschen wollen nicht an die Waffe. Von Januar bis Ende August 2026 gingen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ein. Im gesamten Jahr 2025 waren es 3.879. Das teilte die Behörde dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mit. Schon nach acht Monaten liegt die Zahl damit bei mehr als dem Dreifachen des Vorjahreswertes.
Der Anstieg hat sich zuletzt beschleunigt. Bis Ende Juni waren beim Bundesamt 5.862 Anträge eingegangen, bis Ende Juli 8.302. Im August kamen demnach weitere 3.800 hinzu. Das sind Anträge, nicht bereits anerkannte Kriegsdienstverweigerer. Wie viele der neuen Gesuche bewilligt werden, lässt sich aus dieser Zahl nicht ablesen.
Seit Jahresbeginn verschickt die Bundeswehr Fragebögen an junge Erwachsene. Männer müssen sie beantworten; der Wehrdienst selbst ist derzeit freiwillig. Doch bei der Musterung endet diese Freiwilligkeit. F-NEWS berichtete bereits, dass junge Männer trotz eines klaren Neins zum Wehrdienst geladen werden. Wer sich angesichts dieser Erfassung frühzeitig mit dem Recht auf Kriegsdienstverweigerung beschäftigt, reagiert auf ein staatliches Verfahren, das ihn schon jetzt betrifft.
Das Grundgesetz schützt die Entscheidung, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern. Nach den Hinweisen des Bundesamtes muss der Antrag bei der Personalverwaltung der Bundeswehr gestellt werden. Er verlangt einen Lebenslauf und eine ausführliche persönliche Begründung. Das Bundesamt entscheidet erst nach Weiterleitung über die Anerkennung. Für bestimmte ungediente Antragsteller ist seit Januar 2026 eine Weiterleitung ohne vorherige Musterung möglich. Auch diese Verfahrensänderung kann die Zahl der eingegangenen Anträge beeinflussen.
Die Bundesregierung wirbt um mehr Soldaten und behandelt ganze Jahrgänge als künftige Personalreserve. F-NEWS hat beschrieben, wie die Bundeswehr Millionen junge Menschen zum „Wehrpotenzial“ erklärt. Die neuen Zahlen zeigen zugleich, dass Tausende von ihrem Recht Gebrauch machen wollen, bewaffneten Dienst gerade nicht zu leisten.







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