Großbritannien fordert seine Haushalte auf, Vorräte für drei Tage anzulegen. Die am 22. Oktober gestartete Regierungskampagne „Be Ready“ soll auf Ausfälle von Strom, Wasser, Telefon und Internet vorbereiten. Verteidigungsminister Wes Streeting verbindet den Aufruf mit Warnungen vor Cyberangriffen und gestörten Lieferketten. Eine Mobilmachung oder Einberufung kündigt die Kampagne nicht an.
Federführend ist das Cabinet Office, die zentrale Koordinierungsbehörde der Regierung. Die Kampagne läuft über drei Jahre und soll schrittweise über soziale Medien, Radio sowie mehr als 500 beteiligte Organisationen verbreitet werden. Vergleichbare Vorsorgehinweise gibt es bereits seit Mai 2024. „Be Ready“ ersetzt den bisherigen Auftritt „Prepare“; ein großer Teil der Empfehlungen bleibt gleich. Sicherheitsminister Dan Jarvis begründet den Aufruf damit, Rettungskräfte zu entlasten, damit diese zuerst besonders hilfsbedürftigen Menschen helfen können.
Auf der offiziellen Checkliste stehen Trinkwasser und haltbare Lebensmittel für drei Tage. Fürs Trinken werden drei Liter Wasser pro Person und Tag genannt, zusätzliches Wasser wäre für Kochen und Waschen nötig. Empfohlen werden außerdem Taschenlampe, Batterien, ein batteriebetriebenes oder aufziehbares UKW-Radio, eine geladene Powerbank, warme Kleidung, benötigte Medikamente und Kopien wichtiger Dokumente. Die Vorräte sollen nach und nach beim normalen Einkauf aufgebaut werden.
Bemerkenswert ist der ausdrückliche Rat, Bargeld in Münzen und Scheinen bereitzuhalten, falls Kartenzahlungen oder Geldautomaten ausfallen. Wie schnell digitale Zahlungen stocken können, zeigte zuletzt die Google-Cloud-Störung mit Folgen für Revolut. Der britische Hinweis berührt auch die von F-News aufgegriffene Debatte über den Rückzug der Bargeldversorgung: Zur Krisenvorsorge gehört eine Zahlungsmöglichkeit, die keinen funktionierenden Onlinezugang voraussetzt.
Streeting ging bei einem Auftritt in Telford über Unwettervorsorge hinaus. Nach dem Bericht von ITV News warnte er vor immer ausgefeilteren Cyberangriffen auf Unternehmen und vor möglichen Lieferstörungen durch feindliche Staaten oder Terroristen. Er fragte, wie man zurechtkäme, wenn die Zahlungssysteme im Supermarkt ausfielen. Haushalte und Unternehmen sollten sich darauf einstellen, dass solche Störungen ihren Alltag treffen können.
Der Ort des Auftritts gibt der Warnung zusätzliches Gewicht: Streeting eröffnete eine Rheinmetall-Fertigungsstätte für großkalibrige Waffenrohre. In seiner offiziell veröffentlichten Rede sprach er von der Fähigkeit, die Streitkräfte auch in einem längeren Konflikt zu versorgen. Die neue Produktion solle dazu beitragen, die britische Armee bis 2030 für Kriegseinsätze bereitzumachen. Auch die Industrie müsse ihre Produktion bei steigender Bedrohung hochfahren können.
Der Vorratsaufruf gehört damit in eine breitere Politik der zivilen und militärischen Vorbereitung. Er enthält jedoch weder einen Einberufungsbefehl noch eine Pflicht für Haushalte, Vorräte anzulegen. Politisch auffällig bleibt, dass der Verteidigungsminister den Zustand der heimischen Vorratsschränke und den Ausbau der Waffenproduktion am selben Tag zum Thema macht.








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